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(Modul AVL 231a) 16414 PS
Sandra Janßen
Reiseimpressionen: Verkehrsmittel, Beschleunigung der Wahrnehmung und ihre Verarbeitung in der Literatur um 1900
Di 12.00-14.00 Uhr Rost- / Silberlaube Habelschwerdter Allee 45, KL 29/235
Beginn: 17. Oktober 2006
Das Seminar soll sich mit einem Aspekt des Reisens auseinandersetzen, der erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts voll zum Tragen kommt, der Beschleunigung. Denn mit ihr tritt eine wahrnehmungspsychologische Neuheit auf: der Eindruck, der zu schnell erfolgt, um bewußt aufgenommen zu werden. Von diesem Faszinosum zeugen zur selben Zeit auch die Chronophotographie von Bewegungsabläufen und die Experimente mit dem Tachistoskop. Dafür, daß diese eigentlich experimentalpsychologische Frage auch die literarische Imagination stimuliert, gibt Zolas La Bête humaine ein eindrucksvolles Beispiel: der Protagonist Jacques Lantier wird zum Zeugen des Mordes in einem vorbeirasenden Zug und weiß doch nie, was er wirklich gesehen hat – ein gärendes Halbwissen, das ihn schließlich selbst zum Mörder werden läßt. Ein anderes Beispiel findet sich in Čechovs Auf dem Wagen, wo ein ähnlich flüchtiger Eindruck aus dem Eisenbahnwaggon eine Reminiszenz auslöst, die bis zur völligen, wenn auch ephemeren Persönlichkeitsveränderung bei seiner Protagonistin führt. An diesen und anderen literarischen Beispielen soll der psychologischen und ästhetischen Dimension der Beschleunigung von Fortbewegungsmitteln im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert nachgegangen werden.
Zur Vorbereitung:
Wolfgang Schivelbusch: Geschichte der Eisenbahnreise. Zur Industrialisierung von Raum und Zeit im 19. Jahrhundert, Frankfurt a. M., Fischer Taschenbuch Verlag, 1989 [1977]
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