|
(Modul AVL 311a) 16420 HS
Hélène Cixous. Zu einer zeitgenössischen Poetik des Tragischen
Fr 10.00-12.00 Uhr Rost- / Silberlaube Habelschwerdter Allee 45, KL 29/237
Beginn: 20. Oktober 2006 Dieses Modul ersetzt das Seminar von Susanne Strätling
Zwei jüngere Texte von Hélène Cixous werden im Zentrum des Seminars stehen: Das Theaterstück La Ville Parjure ou le Réveil des Erinyes (Die Meineidige Stadt oder das Erwachen der Erinyen) von 1994 nimmt die Affäre um den Verkauf HIV-infizierter Blutkonserven an Hämophile zum Anlaß einer Wiederaufnahme des Gerichtsprozesses in Aischylos' Eumeniden. In der Fiktion Le jour où je n'étais pas là (Der Tag, an dem ich nicht da war) aus dem Jahr 2000 erinnert sich eine Erzählerin an die Geburt und das kurze Leben ihres lange vergessenen Kindes mit Down-Syndrom und forscht nach den mysteriösen Umständen seines Todes. Beiden Texten gemeinsam ist eine vielschichtige Reflexion über das Tragische. Die 'klassischen' Themen der Tragödie, die Fragen von Schuld, Schicksal, Bewußtsein und Verantwortung werden vor dem Hintergrund der Geschichte des 20. Jahrhunderts in einer Schreibweise verhandelt, die der Bedeutung der Sprache im Denken des Tragischen auf besondere Weise Rechnung trägt. Textnahe Lektürearbeit wird in die Schreibverfahren und die Poetik der Autorin einführen. Auch soll an ausgewählten Themen der poetisch-philosophische Dialog der Autorin mit dem Philosophen Jacques Derrida nachvollzogen werden.
Obgleich Übersetzungen der meisten im Seminar gelesenen Texte zur Verfügung gestellt werden, sind zumindest Grundlagenkenntnisse des Französischen zur Teilnahme notwendig.
Zur Vorbereitung wird die Lektüre der Orestie von Aischylos empfohlen.
|