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17004 PS
Literarische Krankheiten
Fr 14.00-16.00 Uhr Rost- / Silberlaube Habelschwerdter Allee 45, KL 29/235
Beginn: 20. Oktober 2006
Das Seminar bildet den Auftakt zu einer Veranstaltungsreihe, die sich mit der vorwiegend im 19. Jahrhundert entstandenen und spätestens mit Freuds Psychoanalyse etablierten Verbindung zwischen Medizin bzw. dynamischer Psychiatrie und Literatur befassen soll.
Schon die Antike und später das Mittelalter haben der Hysterie einen besonderen Status unter den Geisteskrankheiten (wenn sie als solche bewertet wurde) zugewiesen und sie als Stätte der Begegnung zwischen den magischen oder dämonischen Mächten des Universums und der irdischen, physischen Lebenswelt angesehen.
Während der Aufklärung zunehmend in Vergessenheit geraten oder aus dem Kulturleben ‚verdrängt‘, ‚bricht‘ die Hysterie als literarisches und öffentliches Phänomen um so virulenter in der Romantik ‚aus‘. So gilt das 19. Jahrhundert als das "siècle hystérique", welches in den von Josef Breuer und Sigmund Freud verfaßten Studien über Hysterie (1895) kulminieren wird.
Das Seminar wird sich sowohl der "Erfindung der Hysterie"(Didi-Hubermann) im 19. Jahrhundert unter kulturhistorischen Aspekten widmen (beispielsweise den Erforschungen Martin Charcots und der Entstehung der Psychoanalyse aus der Hysterieforschung) als auch deren literarische Repräsentationen würdigen (angefangen von Flauberts Madame Bovary bis hin zu den von Hofmannsthal auf die Bühne gebrachten Hysterikerinnen).
Als erste vorbereitende Lektüre empfehlen sich die bereits erwähnten Studien über Hysterie.
Das Seminar richtet sich sowohl an Studierende der Romanistik als auch der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft. Voraussetzung für den Erwerb eines qualifizierten Scheins ist, neben der regelmäßigen, aktiven Teilnahme, die Präsentation eines Kurzreferats sowie die Anfertigung einer schriftlichen Hausarbeit.
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