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(Modul AVL 221c) – 31702 PS

Matthias Schwartz und Barbara Wurm

Von neuen Menschen und roten Planeten. Osteuropäische Science Fiction in Film und Literatur

Mi 12.00-16.00 Uhr
Garystr. 55, SR B (Seminarraum)

Beginn: 18. Oktober 2006

 

Der Science Fiction kam in der Sowjetunion und den anderen osteuropäischen, staatssozialistischen Ländern eine besondere ideologische und kulturpolitische Aufgabe zu: Das auf „wissenschaftlich begründete Fiktionen“ spezialisierte Genre sollte konkrete Menschheitsbilder entwerfen, die zeigten, wie die ideale kommunistische Zukunftsgesellschaft sich entwickeln würde. Was in anderen sozialistisch-realistischen Kunstformen als Option und Vision am fernen Horizont aufschien, wurde hier zur Kernfrage der künstlerischen und medialen Verfahren selbst. Die Zukunftsentwürfe zielten häufig auf eine völlige Umgestaltung des Menschen und seines Lebensraumes (der Natur und letztlich auch des Weltalls) mit Hilfe neuesten ingenieurstechnischen, human- und naturwissenschaftlichen Wissens. Gleichzeitig wird aber immer auch die Gefahr des Scheiterns dieser Projekte verhandelt. Besonders seit der Tauwetterzeit der 1960er Jahre erodiert die Siegesgewissheit des ‚roten’ Planeten: Der neue Mensch wird zum Objekt satirischer Neu(auf)fassungen einer desillusionierten Science Fiction.

Das Seminar will a) einen grundlegenden kulturwissenschaftlichen Einblick in die osteuropäische Science Fiction geben, der sowohl einen Vergleich mit westlichen Entwicklungen als auch neuere wissenschaftsgeschichtliche Fragestellungen mit einschließt; b) will es die medialen Mittel analysieren, die eine spezifisch filmische Science Fiction von der literarischen unterscheiden sowie deren intermediale Wechselwirkungen herausarbeiten; c) sollen in komparatistischer und diachroner Perspektive signifikante thematische Entwicklungslinien und kulturelle Brüche von den 1920er Jahren bis in die Gegenwart nachverfolgt werden (Mikroformen der Gesellschaft, Sexualität, Technik, etc.)

Das Seminar behandelt bekanntere und weniger bekannte Regisseure und Autoren. Gezeigt werden u.a. die Filme „Aėlita“ (SU 1924), „Gibel’ sensacii“ („Der Tod der Gefühle“, SU 1934), „Krakatit“ (ČSSR, 1947), „Der schweigende Stern“ (DDR/PL 1960), „Wojna światów – następne stulecie“ („Krieg der Welten – das nächste Jahrhundert“, PL 1981), „Kin-Dza-Dza“ (SU 1986). Neben der sowjetischen Science Fiction werden also auch polnische, tschechische, jugoslawische und DDR-Filme und Texte diskutiert. 2 von 4 SWS des Seminars sind für Filmvorführungen (OmU oder dt. Fassungen) reserviert, die teilweise in Kooperation mit dem Kino Berlin Babylon (Mitte) realisiert werden.



 


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