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(31709) Wahlveranstaltung

Andrea Zink

Weiblichkeit im russischen Realismus

Blockseminar, Vorbesprechung am 20.10. von 10-12 Uhr
Ihnestraße 22, UG2

 

Termine:
Vorbesprechnung: 20.10.06, 10-12 Uhr 22(Ihnestraße 22)-UG2 Blocktermine: 55/R. 101 Freitag 16.00-20.00 01.12.2006
55/R. 101 Freitag 16.00-20.00 12.01.2007
55/R. 101 Freitag 16.00-20.00 02.02.2007
R. JK 25/130 Samstag 10.00-16.00 2.12.; 13.01.; 03.02. Rost-Silberlaube)

Die Emanzipation der Frau gehört in Russland wie in Europa zu den vieldiskutierten Themen der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Doch die Gemüter der Intellektuellen bewegt auch die nationale Frage, und im nationalen Kontext werden Frauen vor allem zu leidensfähigen, opferbereiten Wesen stilisiert. Neben diesen dominanten und heterogenen Weiblichkeitsentwürfen lassen sich alternative, an den Rand gedrängte Formen des Geschlechtlichen erkennen: u. a. in frivolen Bäuerinnen, aber auch in grotesken Männerfiguren, die Stärke nicht repräsentieren können. Da die russische realistische Literatur mehr als andere nationale Literaturen gesellschaftliche Werte formulierte und vermittelte, deren Virulenz heute noch zu erkennen ist (als Stichwort sei hier die russische Seele genannt), bietet ein solcher Rückblick auf das literarisierte Weibliche wichtige Erkenntnisse selbst für die Gegenwart.
Im Seminar sollen stereotype Formen des Weiblichen, wie sie besonders von den Klassikern Dostoevskij und Tolstoj ins Leben gerufen wurden, mit geschlechtlich problematischen, widerspenstigen Typen und Texten - etwa der "Lady Macbeth aus dem Landkreise Mcensk" (Leskov) und Gogols Akakij Akakievic - konfrontiert werden, den Leitfaden bilden die Themen Sexualität, Prostitution, Mutterschaft, Hysterie u. a.. Auf Autoren und vor allem Autorinnen (Chvoainskaja), deren literarische Karriere weniger erfolgreich verlief, wird zu achten sein.
Für die Teilnahme am Seminar ist die Kenntnis des Russischen von Vorteil, aber nicht notwendig, da alle diskutierten Werke in Übersetzungen vorliegen. Die Vertrautheit mit folgenden Romanen resp. Langerzählungen wird aufgrund ihres Textumfangs zu Beginn des Seminars vorausgesetzt:
Dostoevskij, F. M. Prestuplenie i nakazanie (dt: Verbrechen und Strafe/Schuld und Sühne), Zapiski iz podpolja (dt: Aufzeichnungen aus dem Kellerloch/Aufzeichnungen aus dem Untergrund)
Tolstoj, L. N.: Voskresenie (dt: Auferstehung); Anna Karenina
Gogol, N. V.: Der Mantel

Literatur:
von Braun, C., Stephan, I. (Hgg.): Gender-Studien. Eine Einführung. Stuttgart, Weimar 2000.
Butler, J.: Das Unbehagen der Geschlechter. Frankfurt a.M. 1991; Körper von Gewicht. Frankfurt a.M. 1997.
Edmondson, L. (Hg.): Gender in Russian History and Culture. Basingstoke 2001.
Engelstein, L.: The Keys to Happiness. Sex and the Search for Modernity in Fin-de-Siècle Russia. Ithaca, London 1992.
Heldt, B.: Terrible perfection. Women and Russian literature. Bloomington 1987.

 


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