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Susanne Strätling

Einführung in die Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft. Der russische Formalismus

Do 12.00-14.00 Uhr
JK 28/112

Beginn: 18. Oktober 2007

„Um das Empfinden des Lebens wiederherzustellen, um die Dinge zu fühlen, um den Stein steinern zu machen, existiert das, was man Kunst nennt. Das Verfahren der Kunst ist das Verfahren der "Verfremdung" der Dinge und das Verfahren der erschwerten Form, ein Verfahren, das die Schwierigkeit und Länge der Wahrnehmung steigert, denn der Wahrnehmungsprozess ist in der Kunst Selbstzweck. Die Kunst ist ein Mittel, das Machen einer Sache zu erleben, das Gemachte hingegen ist in der Kunst unwichtig.“ Mit diesen Thesen erschüttert 1916 eine literaturtheoretische Schule die Fundamente der Ästhetik. Ihr Verfasser, Viktor Šklovskij, war Mitglied der Petersburger „Gesellschaft zur Erforschung für poetische Sprache“, die gemeinsam mit dem Moskauer „Linguistischen Zirkel“ eine literaturtheoretische Revolution auslöste, deren Folgen das gesamte 20. Jahrhundert prägen. Das Seminar erarbeitet die grundlegenden und bis heute aktuellen Theoreme des Formalismus zu Verfremdung, Literarizität, literarischer Evolution, Parodie, Metrik, Literatur und Film, Literatur und Mündlichkeit. Um die Spezifik und das interpretatorische Potenzial des formalistischen Ansatzes besser zu verstehen, lesen wir parallel zu den theoretischen Abhandlungen einige derjenigen literarischen Texte, an denen die Formalisten ihre Exempel vorzugsweise statuierten, so z.B. Nikolaj Gogol’s Erzählung Die Nase oder Auszüge aus Laurence Sternes Tristram Shandy. Gegen Ende des Semesters gibt das Seminar einen Ausblick auf die weitere Entwicklung des formalistischen Ansatzes, insbesondere seine Konsequenzen für den Strukturalismus und die Dekonstruktion.


Zur vorbereitenden Lektüre empfohlen:
Victor Erlich: Russischer Formalismus, Frankfurt/M. 1973.
Aage A. Hansen-Löve: Der russische Formalismus. Methodologische Rekonstruktion seiner Entwicklung aus dem Prinzip der Verfremdung, Wien 1978
Jurij Striedter (Hg.): Russischer Formalismus, München 1994.

 


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