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(16 401) GK
Einführung in die Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft. Kafka/Methoden
Mi 16.00-18.00 Uhr
JK 29/124
Beginn: 17. Oktober 2007
Die Parabel „Vor dem Gesetz“ aus Kafkas Roman DER PROCEß zählt zu den meistdiskutierten Texten der deutschen Literatur. Bekanntlich können sich schon Josef K. und der Geistliche, die Protagonisten des Dom-Kapitels, über ihre „richtige“ Auslegung nicht einig werden. Nicht anders die Literaturwissenschaft: Anstatt den Widerstreit der vorgestellten Deutungsmöglichkeiten aufzulösen und ein abschließendes Urteil zu fällen, hat sie im Gegenteil immer neue Interpretationen zutage gefördert. Trotzdem – bzw. genau deshalb – ist „Vor dem Gesetz“ für eine Einführung in die Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft gut geeignet. Man kann besonders pointierte Deutungen miteinander vergleichen und anhand ihrer Widersprüche die Unterschiede zwischen den einzelnen Arbeitsweisen und Theoriemodellen aufzeigen. So verfährt auch Klaus-Michael Bogdal in seinem Band NEUE LITERATURTHEORIEN IN DER PRAXIS. TEXTANALYSEN ZU KAFKAS ‚VOR DEM GESETZ’ (1993). Dieses Buch wird im Seminar eine wichtige Rolle spielen, ebenso die vom selben Autor herausgegebene allgemeine Einführung NEUE LITERATURTHEORIEN (1990, 2. aktual. Aufl. 1997). Die beiden Texte ergänzen einander: Dieser stellt die Methoden in ihren abstrakten Bestimmungen, jener in ihrer konkreten Anwendung auf Literatur vor.
Im ersten Abschnitt des Seminars geht es darum, einen gewissen Einblick in Kafkas Schaffen und insbesondere in den Roman DER PROCEß zu gewinnen. Dabei soll u.a. deutlich werden, in welchem Kontext „Vor dem Gesetz“ steht und welche Funktion die Parabel innerhalb des Romans erfüllt. Im zweiten Schritt werden die in Bogdals Kafka-Band versammelten Interpretationen gelesen und im Hinblick auf ihr methodologisches Profil untersucht. Zum Schluß richtet sich das Augenmerk auf diejenigen Theorievarianten, die in den genannten Bänden nicht oder nur in Kombination mit anderen erscheinen. Zu ihrer Verdeutlichung können auch andere Texte von Kafka herangezogen werden. Ziel der Veranstaltung ist es, den Studierenden methodologische Grundkenntnisse zu vermitteln und ihnen sowohl bei der Lektüre von Sekundärtexten als auch bei der Anfertigung eigener Interpretationen zu einem entsprechenden „kritischen Bewußtsein“ zu verhelfen.
Das Seminar wird von einem Tutorium begleitet.
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