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(16 404) PS
Brigitte Obermayr
"Wie das Leben selbst": Diskurse zu Leben und Lebendigkeit in der russischen Literatur und Kultur (19. und 20. Jahrhundert)
Do 14.00-16.00 Uhr
JK 28/112
Beginn: 18. Oktober 2007
„Das Leben ist Schönheit“, schreibt Nikolaj Cernyševskij in seiner 1855 verteidigten Dissertationsschrift mit dem Titel „Die ästhetischen Beziehungen der Kunst zur Wirklichkeit“. Daran entspann sich in Russland ein ästhetischer und literarischer Disput, der in seiner radikalsten Position die Überzeugung vertritt, dass die Schönheit des Lebens alle Kunst übertreffe. Lebendigkeit wird zu einem expliziten Kriterium für das ‚Schöne’.
Unmittelbare Auswirkung zeigten diese Überlegungen nicht nur für eine Ästhetik der Realismen in der russischen und sowjetischen Kunst. Konkret aktualisiert wird dieses Paradigma in den späten 1920er Jahren, da die „Literatur des Faktums“ den ästhetischen Schein („die schöne Imitation“) des Lebendigen durch das Leben selbst („das Leben, das wirkliche Leben“; Nikolaj Cužak, 1929) zu ersetzen anstrebt.
Im Seminar soll das Paradigma des Lebendigen ebenso rekonstruiert werden, wie wir seine medialen Repräsentationsformen untersuchen wollen: Projekte zur Abschaffung des Todes, künstlerische Verfahren zur Verlebendigung der Dinge und nicht zuletzt faktographische Genres, die für sich beanspruchen, die ‚Realpräsenz des Lebens’ in der Kunst zu ermöglichen (u.a. Biographie, Porträt, Dokumentation), werden uns beschäftigen.
Lektüre zur Vorbereitung:
Lachmann, Renate: Faktographie und formalistische Prosatheorie. In: Ästhetik und Kommunikation. Beiträge zur politischen Erziehung. Heft 12, Sept. 1973, Jg. 4, S. 76-87.
Bogdanov, Aleksandr: Der Kampf um Vitalität [1927], in: Groys, Boris / Hagemeister, Michael (Hg.): Die Neue Menschheit. Biopolitische Utopien in Russland zu Beginn des 20.Jahrhunderts. Frankfurt am Main 2005, S. 525-605.
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