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(16 407) PS
Poetik der Armut
Mo 16.00-18.00 Uhr
KL 29/111
Beginn: 15. Oktober 2007
Geistige Armut macht laut der Bibel selig. Materielle Armut gilt z.B. Sokrates als Freiheit von irdischen Zwängen, präsentiert sich jedoch, wenn nicht frei gewählt, meist als eine recht unselige Wirklichkeit. Wie verhält sich Literatur zu jenen Verheißungen und dieser Wirklichkeit? Und wie soll sich eine literaturwissenschaftliche Annäherung an das Thema der Armut verhalten? Diese Frage wird das Seminar begleiten, dessen Schwerpunkt indes ein poetologischer ist.
Armut hat in der Literatur des 19. Jahrhunderts Konjunktur. Sie erscheint jedoch, zumal in der Lyrik jener Zeit, nicht nur als ein Epochenphänomen, in dessen Thematisierung die Dichtung ihre Begegnung mit dem Jahrhundert markiert. Welche philosophischen und religiösen Traditionen konjugiert diese Figur vor dem Hintergrund der materiellen Armut?
Der Mythos von der Armut als Mutter des Eros in Platons sowie die Armutsauffassungen im Alten und im Neuen Testament und die Franz von Assisis werden zu Beginn des Seminars thematisiert. Dann werden wir untersuchen, in welchen Formen, unter welchen Vorzeichen und Wertungen die Armut in einer Auswahl literarischer Texte des 17. bis 20. Jahrhunderts verhandelt wird und welche ästhetischen und poetologischen Funktionen ihr zugewiesen werden. Daneben ist die Lektüre theoretischer Texte von Walter Benjamin, Martin Heidegger und Hans Blumenberg vorgesehen.
zur Vorbereitung:
Platon: Symposion, 203b ff.
Bibel: Sprüche Salomos, Psalmen, Matthäus-Evangelium (Bergpredigt).
Artikel Armut, in: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Band 1.
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