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(16 408) PS
Tom Jürgens
Text und Bearbeitung: Literatur unter den Bedingungen von Musik
Mi 14.00-16.00 Uhr
JK 28/208
Beginn: 17. Oktober 2007
Die Verbreitung literarischer Stoffe verdankt sich häufig nicht allein der Lektüre von Büchern, sondern auch ihrer Popularisierung durch andere Medien und Kunstformen. Ähnlich wie bei der Verfilmung handelt es sich bei der Vertonung von Romanen, Dramen oder Poemen nicht um eine Übersetzung im Verhältnis von 1:1 – vielmehr erfahren sie eine Transformation, die nicht mehr allein den Gesetzmäßigkeiten der Literatur, sondern auch denen der Musik zu gehorchen hat. Formulierungen wie „nach dem Roman von…“ oder „bearbeitet von…“ indizieren sowohl oftmals subtile als auch gelegentlich massive Verschiebungen auf der Ebene des Sujets wie auch der sprachlichen Gestalt eines literarischen Werkes unter den Bedingungen von Musik. Im Falle der Oper, die im Mittelpunkt des Seminars steht, finden diese Verschiebungen Niederschlag im Libretto, das sich als Intertext zwischen literarische Vorlage und vokalmusikalische Umsetzung schiebt. Die bei dieser Einschiebung entstehenden Interferenzen zwischen Text und Bearbeitung changieren in einem sehr weiten Feld zwischen relativer Texttreue und freizügiger Handhabe (so sah beispielsweise Tschaikowsky in der Bearbeitung einiger Puschkin-Dramen ein Happy End anstelle eines unglücklichen Ausgangs vor) und bleiben nicht ohne Rückwirkung auf die Literatur selbst.
Nebst einer theoretischen Einführung in allgemeine Fragen des intermedialen Verhältnisses von Musik und Literatur steht im Seminar eine eingehende Analyse von Libretti verschiedener Epochen der Musikgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts im Vordergrund, die zugleich eine Problematisierung des Verhältnisses unterschiedlicher Autorschaften (Autor – Librettist – Komponist, Komponist als Librettist usf.), der Frage von Textautonomie etc. ermöglichen soll. Der methodologische Zugang zu dieser von den Philologien bislang eher vernachlässigten „unautonomen Gattung“ wird dabei ein librettologischer (A. Gier) sein und somit dezidiert literaturwissenschaftlich. Musikwissenschaftliche oder musikalische Vorkenntnisse sind zur Teilnahme am Seminar nicht notwendig.
Zur Einführung empfohlen::
Gier, Albert: Das Libretto. Theorie und Geschichte, Frankfurt 2000.
Dahlhaus, Carl: Vom Musikdrama zur Literaturoper. Aufsätze zur neueren Operngeschichte, München 1989.
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