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Griechische Tragödie. Ritualität - Mythologie - Motive - Rezeptionen
Mi 16.00-19.00 Uhr
KL 32/123
Beginn: 17. Oktober 2007
Die griechische Tragödie ist der Anfang des europäischen Theaters, die Beschäftigung mit ihr ein Ausgangspunkt der Literaturwissenschaft. Indem wir die überlieferten Stücke von Aischylos, Sophokles und Euripides analysieren, erarbeiten wir uns systematisch einen Zugang zu einem wesentlichen und gleichwohl überschaubaren Teil des westlichen Kanons. Der Einführungs-Kurs vermittelt Grundkenntnisse wichtiger Texte, Kontexte, Methoden und Theorien: der kulturanthropologischen Voraussetzungen des Dramas (Ritual, Mythos), seiner politischen Situierung (in der Polis Athen), der prominentesten Stoffe (Orestie, Theben, Troja, Herakles), der technischen Mittel (Theaterarchitektur, Requisiten, Bühnenmaschinen), formalen Konventionen (Struktur der Stücke, Wechselspiel Chor/Szene, Botenbericht, Teichoskopie, deus ex machina) und inhaltlichen Elemente (Götter, Erbfluch, Bruderzwist) sowie wichtiger Begriffe (Tragik, Hybris, Kátharsis). In unseren Lektüren rekonstruieren wir zeitgenössische und spätere Positionen der Poetik und Theatertheorie, die im Hinblick auf die Tragödie entwickelt wurden: von Aristoteles, Horaz, Boileau, Nietzsche, Szondi, Barthes und anderen. An Bearbeitungen und Neufassungen lassen sich Verfahren literaturgeschichtlicher und komparatistischer Arbeit erproben. Beispiele moderner Inszenierungen werden bei Interesse in die Diskussion einbezogen. Griechisch-Kenntnisse werden nicht vorausgesetzt.
Der Kurs, dessen erster Teil im Sommersemester 2007 stattfand, ist auf zwei Semester angelegt. Der direkte Einstieg im Wintersemester 2007/08 und damit der Besuch nur des zweiten Teils ist möglich. Nachdem im Sommersemester die Tragödien um Argos (Atriden) und Theben (Ödipus) gelesen worden sind, werden im Wintersemester die Stoffe aus dem Bereich des Trojanischen Krieges (Philoktet, Aias, Hekabe etc.) sowie die der Herakles-Sage (Alkestis, Trachinierinnen u.a.) im Mittelpunkt stehen; außerdem wichtige Werke wie Der gefesselte Prometheus, die Bakchen und Medeia.
Zur Vorbereitung wird die Lektüre der Poetik des Aristoteles (Kapitel 1-19) empfohlen (nach Möglichkeit in der zweisprachigen Reclam-Ausgabe); sowie Friedrich Nietzsches Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik.
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