07304 Vorlesung
Dieter Ingenschay
Homographesis - Homotextualität.
Zur Theorie homosexuellen Schreibens (mit Ausblick auf französische und spanische Autoren)
Ziel der Vorlesung ist es, eine Einführung in die Theorie und Praxis 'homosexuellen Schreibens' in Frankreich und Spanien im 20. Jh. zu geben.
Seit langem schon wird insbesondere in der poststrukturalistischen amerikanischen Literaturwissenschaft das Bemühen um eine Erfassung des 'gay writing' vorangetrieben. Auch in der französischen Theoriebildung steht - insbesondere im Anschluß an feministische Schreibkonzepte - die Elaborierung einer 'écriture gay' im Zentrum vereinzelter Forschungen, während in der deutschen romanistischen Literaturwissenschaft erst im Ansatz entsprechende Versuche unternommen wurden.
Im einzelnen werden auf der Ebene der Theorie zunächst die Positionen von R. Barthes und M. Foucault untersucht im Hinblick auf ihren Beitrag zur Bestimmung eines männlich-homosexuellen Diskurses; sodann wird die neuere Theoriediskussion (über P. J. Smith, E. Kosowsky Sedgwick, L. Edelman hin zu G. Haggerty/B. Zimmerman) verfolgt.
Die praktischen Beispiele, an denen jeweilige theoretische Fragestellungen exemplifiziert werden sollen, entstammen den Werken von Proust, Gide und Genet. Beachtung findet ebenfalls die homosexuelle Themenvielfalt im lateinamerikanischen Roman, die Frage nach der queer identiy im spanischen Postfrankismus und die Sonderolle des Aids-Romans in den romanischen Literaturen.
Die Lehrveranstaltung findet dienstags von 16.00 s.t. bis 18.00 (UL 6, Raum 2014 A) statt. Erste Sitzung am 27. Oktober, letzte Sitzung am 19.01.1999.