16700 Vorlesung
Theorien des Schönen (I)
Aus der Literaturtheorie des 20. Jahrhunderts ist der Begriff des Schönen weitgehend verschwunden. Das entspricht einem historischen Moment des Veraltens im Schönheitsbegriff selbst, aber auch einem Ungenügen an dem stets scheiternden Versuch, das Schöne zu definieren. Begriffe wie Literarizität und Poetizität sind auch 'Schönheitsvermeidungsbegriffe'.
Adorno hat dagegen die Notwendigkeit des Schönheitsbegriffs eingeklagt:
"Würde nicht von Artefakten, wie sehr modifiziert, geurteilt werden, daß sie schön seien, so wäre das Interesse an ihnen unverständlich und blind, und keiner, Künstler nicht und nicht Betrachter hätte Anlaß, jene Bewegung aus dem Bereich praktischer Zwecke ... zu vollziehen, den Kunst ihrer Konstitution nach zumutet ... So wenig ist das Schöne zu definieren wie auf seinen Begriff zu verzichten."
Die drei Semester angelegte Vorlesung wird versuchen, das Problem des Schönen anhand der Geschichte des Begriffs oder genauer: der artikulierten 'Theorien' des Schönen von der Antike bis heute zu entwickeln.
Das erste Semester wird den 'Theorien' des Schönen vor der Erfindung der 'Ästhetik' als einer neuen 'Wissenschaft' im 18. Jahrhundert gelten. Der größte Teil des Semesters wird sich mit antiken Texten (Homerische Epen, Hesiod, Pythagoras, Plato, Aristoteles) beschäftigen.
VORBEREITENDE LEKTÜRE:
- Julius Walter: Die Geschichte der Ästhetik im Altertum.
Hildesheim (Olms) 1967. (zuerst Leipzig 1893).
- Wladyslaw Tatarkiewicz: Geschichte der Ästhetik.
in: Band 1: Die Ästhetik der Antike.
Basel und Stuttgart (Schwabe) 1979.