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16731 Übung

Rita Unfer Lukoschik

Wie Turandot das Lachen verging oder der Tod der 'Commedia dell'Arte' durch Übersetzung


Gegenstand der Veranstaltung sollen deutsche Übertragungen und Bearbeitungen Gozzischer Lustspiele in Deutschland zwischen Spätaufklärung und Klassik sein.

Der venezianische Graf Carlo Gozzi (1720-1806) versuchte, Goldonis Reform des italienischen Theaters dadurch zu verhindern, daß er Stücke schrieb, in denen Figuren der 'Commedia dell'Arte' auftraten, die auf damaligen Bühnen Italiens noch äußerst beliebt waren. Es war gerade dieser Kunstgriff, der ihm erlaubte, im Theaterstreit den Sieg über Goldoni davonzutragen.

In krassem Widerspruch zu der Rezeption Gozzischer Stücke in der deutschen Romantik verhalfen die deutschen Übersetzer und Bearbeiter der empfindsamen Epoche - aber auch Schiller in seiner Turandot - den Gozzischen Stücken zum Erfolg gerade durch Streichung bzw. drastische Reduzierung der Elemente aus der Welt der 'Commedia dell'Arte'; denn man hielt sie sowohl aus poetologischen als auch aus theaterpraktischen Gründen für unpassend.

Nach einer geschichtlichen Einführung in die Welt der 'Commedia dell'Arte' und ihre Stellung im italienischen Theaterleben bis zum Gozzi-Goldoni-Streit werden im Laufe des Seminars übersetzungstheoretische Positionen bis zur deutschen Spätaufklärung behandelt (Klärung von Begriffen wie belle infidèle, Übersetzung zweiter Hand, einbürgernde oder verfremdende Übersetzung).

Man wird ferner auf die Auseinandersetzung der deutschen Kultur mit der 'Commedia dell'Arte' bis zu Übersetzung der Gozzischen Stücke durch Friedrich August Clemens Werthes (1777-79) eingehen.

Anhand ausgewählter Dramenpassagen sollen dann die poetologischen und theaterpraktischen Gründe analysiert werden, welche die Übersetzer bzw. Bearbeiter Gozzischer Dramen in ihren Entscheidungen zur Straffung, Kürzung oder Erweiterung des Originals geleitet haben: Auseinandersetzung mit Problemen des Lokalkolorits und - bei den Masken - Umgang mit dem, was Justus Möser in seiner Schrift Harlequin, oder Vertheidigung des Groteske-Komischen den "intuitive[n] Begriff von der handelnden Person" nennt.

Den Abschluß wird die Behandlung der Schillerschen Turandot bilden, die im Vergleich mit dem Gozzischen Original und der Übersetzung Werthes', von der Schiller ausging, analysiert wird.

Die Erarbeitung der oben skizzierten Punkte sollten hauptsächlich im Umgang mit Originaltexten und zeitgenössischen Quellen geleistet werden (Vorworte und Briefe der Übersetzer bzw. Bearbeiter, Rezensionen der übersetzten/bearbeiteten Stücke und Besprechungen von deren Aufführungen auf deutschen Bühnen).


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