16754 Hauptseminar
Ezra Pound, Wyndham Lewis und die Vortizisten
Die erste Avantgarde in England zwischen 1914 und 1918 knüpft ihre Visionen einer neuen Kunst an Projekte der Revolte zugunsten erneuerter Formen des individuellen und sozialen Lebens. Ihr von Marinetti beeinflußtes Programm einer dezidiert 'männlichen' (in Opposition zu der homosexuell geprägten Bloomsbury Gruppe geprägten) Kultur war nicht weniger als eine Aristokratie der Musen.
Ihre literarischen und künstlerischen Wortführer: Ezra Pound, Wyndham Lewis und William Carlos Williams wollten sich im Auge des Maèlstroms der Moderne versammeln: 'Vortex' (Wirbel) ist die Chiffre Pounds für den ruhigen Punkt der größten Energiekonzentration "im Zentrum des Strudels".
Die Manifeste der Gruppe (Blast) sind künstlerisch (typographisch) und literarisch darauf aus, den Modernisierungsschub neuer Technologien und Medien für eine Dynamisierung des klassischen Kunstprogramms zu nutzen. Die Kriegserfahrungen scheinen den Teilnehmern aus Literatur und bildender Kunst Illusionen über den Charakter der zeitgenössischen Moderne genommen zu haben.
Das Seminar studiert die Programmtexte der Gruppe im Zusammenhang der Manifeste des europäischen Futurismus.
LITERATUR:
- Karin Orchard (Hrsg.): Vortizismus - Die erste Avantgarde in England 1914-1918.
Katalog München 1997.
(Dort auch Biographien der Gruppenmitglieder, Literaturhinweise und Dokumente in Auszügen)
- The Letters of Ezra Pound 1907-1941. Hg. von D.D. Paige.
London 1951.
- Susan R. Suleiman: Subversive Intent, Gender, Politics and the Avantgarde.
Cambridge, Mass. 1990.
- Richard Cork: A Bitter Truth. Avant-Garde and the Great War.
New Haven, London 1994.
Ein detailliertes Seminarprogramm wird Anfang Oktober im Institut für AVL ausgehängt.