16755 Hauptseminar
Jürgen Nieraad
Literatur und Shoah
Die Ausgangsfrage, wie Literatur die Shoah darstellen kann, schlägt um in die den Kursverlauf strukturierende Frage, welche Konsequenzen die Shoah für die Literatur und ihre Ausdrucksweisen hat. Es kann gezeigt werden, daß die Auseinandersetzung mit dem Massenmord eine Kritik der traditionellen künstlerischen Darstellungsmittel erzwingt und ästhetische Radikalismen hervortreibt.
Vor dem Hintergrund dieser These werden in exemplarischer Auswahl deutschsprachige literarische Texte zur Shoah besprochen: Lyrik (vgl. dazu die Sammelbände von B. Jentzsch 1992 und D. Lamping 1993), Prosa (Franke: Mordverläufe. 1973; Bäcker: Nachschrift. 1986; Klüger: Weiter leben. 1992; Sebald: Die Ausgewanderten. 1993; Schlink: Der Vorleser. 1995; u.a.), Drama (Tabori).
Die Kontroversen um Mahnmale der Shoah in der Denkmalskunst werden in das Gespräch miteinbezogen (vgl. dazu Young: Mahnmale des Holocaust. 1993).
Ein vergleichender Blick auf die hebräischsprachige Literatur zur Shoah dürfte von Interesse sein. Herangezogen werden u.a. der Roman von David Grossman: Stichwort Liebe. 1991 und das Theaterstück von Jehoshua Sobol: Ghetto.
VORAUSSETZUNGEN: Kenntnis der folgenden Werke:
- Raul Hilberg: Täter, Opfer, Zuschauer. Die Vernichtung der Juden 1933-1945.
Frankfurt (Fischer) 1992. (zur Aneignung von Wissen!).
- Zygmunt Baumann: Dialektik der Ordnung. Die Moderne und der Holocaust.
Hamburg (EVA) 1991. (Theorie der Shoah).
- James E. Young: Beschreiben des Holocaust. Darstellung und Folgen der Interpretation.
Frankfurt (Jüd. Verl.) 1992. (zum Problem von 'Tatsache' und Deutung).
- Manuel Köppen (Hrsg.): Kunst und Literatur nach Auschwitz.
Berlin (Schmidt) 1993.