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Nachtrag Hauptseminar

Jana Ziganke

Endloses Schreiben


Ein Text ist immer irgendwo zu Ende. Dieser Befund erscheint trivial. Die materielle Endlichkeit des Textes setzt einen Anfang und ein Ende; irgendwann kommt immer die letzte Seite. Wie wäre ein Text zu denken, der weder in noch außer sich zu einem Abschluß findet?

Abzubrechen, ohne auch nur einen einzigen Schritt weitergekommen zu sein und daher immer und immer wieder neu einsetzen zu müssen - diesem "Gestus des Auf der Stelle Tretens" (Adorno) liefern sich so extreme Textprojekte aus wie Les cent-vingt journées de Sodome, Justine et Juliette von de Sade, La tentation de Saint-Antoine, Bouvard et Pécuchet von Flaubert oder L'Innommable und Comment c'est von Samuel Beckett.

Wenn die einzelnen Texte auch ein materielles Ende besitzen, so kann dieses doch nur den Charakter eines arbiträren Abbruchs vor dem Horizont einer strukturellen Unabschließbarkeit haben. In diesem Seminar sollen durch genaue Textlektüren Einsichten in ein ästhetisches Grenzphänomen gewonnen werden.

Weitere Texte wären Wilhelm Raabes Hastenbeck oder Robert Walsers Mikrogramme. Textvorschläge von seiten der Seminarteilnehmer sind willkommen. Eine Übersicht zur kritischen Literatur folgt.


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