16400 Vorlesung
Theorien des Schönen im 19. und 20. Jahrhundert (III)
Das 18. Jahrhundert brachte mit der Geburt der modernen 'Ästhetik' als einer eigenen Disziplin zugleich eine Vielzahl von Theorien des Schönen hervor. Zugleich geriet das Schöne seit Mitte des 18. Jahrhunderts zunehmend in Konkurrenz mit anderen ästhetischen Kategorien: dem Erhabenen, dem Pittoresken, dem Grotesken, dem Interessanten.
Mit der Transformation der Ästhetik in eine (idealistische) Philosophie der Kunst gewinnt das Schöne nach 1800 vorübergehend seine Leitfunktion zurück: vor allem bei Hegel und in der hegelianischen Ästhetik von Rosenkranz und Vischer, teilweise aber auch bei Schelling werden seine Widerparte und sogar seine eigene Depotenzierung in seine dialektische Bewegung eingebaut.
Nietzsche gibt dem Schönen dann einen neuen Ort in seiner Konstruktion der Kunst als Wechselspiel des Apollinischen und Dionysischen, und im Wechsel von der Wagner-Begeisterung zur Wagner-Kritik steht nicht zuletzt eine gegensätzliche Reformulierung der überlieferten Kategorien von schön und erhaben auf dem Spiel.
Im 20. Jahrhundert wird die Rede von den 'nicht mehr schönen Künsten' Gemeinplatz, und der Begriff des Schönen selbst verliert beinahe jede Leitfunktion. Gleichwohl haben spekulative Denker wie Benjamin, Adorno und Heidegger ihn für unverzichtbar gehalten und im Rekurs auf die große philosophische Tradition das Schöne erneut zu bestimmen versucht.
Aus einer ganz anderen Perspektive hat in jüngerer Zeit auch die Systemtheorie das Schöne wiederentdeckt. Schließlich führt jede Reflexion auf modernes Design, ästhetisierte Lebenswelt und heutige Werbung auf eine machtvolle neue Rolle der Idole des Schönen jenseits der 'hohen' Kunst.
VORBEREITENDE LITERATUR:
- G.W.F. Hegel: Vorlesungen über die Ästhetik. (stw).
- Karl Rosenkranz: Ästhetik des Häßlichen.
Darmstadt (Wissenschaftliche Buchgesellschaft) 1978.
- Friedrich Nietzsche: Die Geburt der Tragödie. (dtv).
- Walter Benjamin: Goethes Wahlverwandschaften.
- Theodor W. Adorno: Ästhetik. (stw).