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Tutorium

Philipp Ekardt

Charles Baudelaire


Während der Grundkurs einen Überblick über Dichtung mehrerer Jahrhunderte und Sprachen vermittelt, wird sich das Tutorium intensiv mit dem Werk eines einzelnen Autors beschäftigen: die Texte des französischen Dichters Charles Baudelaire (1821-1867), eine der zentralen Gestalten moderner europäischer Lyrik, stehen im Zentrum der Veranstaltung. Zunächst sollen dabei konkrete Fragen der Lyrikanalyse interessieren: Wie funktioniert französische Metrik? Welche Geschichte hat die von Baudelaire vielfach verwendete Sonett-Form? Wie nähert man sich seinen formalen Experimenten, etwa seinen poèmes en prose? Schließlich wäre - im Sinne des im Grundkurs gesetzten Schwerpunktes auf poetischer Bildlichkeit - der Dichter Baudelaire als Allegoriker zu lesen.

Ein zweiter thematischer Block widmet sich dem Verhältnis von Baudelaires poetischer Produktion und seinen poetologischen Reflexionen. Im Zentrum wird hier der Begriff modernité stehen: Wie bestimmt Baudelaire in seinen kunstkritischen Schriften Modernität und das beau moderne, das Schöne der Moderne? In welchem Verhältnis steht seine Dichtung zu dieser Bestimmung? Inwiefern kann sie als Lyrik in der Moderne, als moderne Lyrik gelesen werden?

Schließlich sollen drei kanonische Baudelaire-Lektüren behandelt werden: in Auszügen Walter Benjamins Studie Über einige Motive bei Baudelaire; darauf Roman Jakobsons und Claude Lévi-Strauss’ strukturalistische Analyse des Gedichtes Les chats; und abschließend Paul de Mans dekonstruktive Lektüre der Sonette Correspondances und Obsessions.

Im Idealfall wäre mit diesem Programm nicht nur eine Einführung in eines der zentralen Werke moderner europäischer Lyrik gegeben. Vielmehr wäre damit auch ein exemplarischer Durchgang von konkreten formanalytischen zu weiter gefaßten theoretischen Fragestellungen vollzogen. Eine solche Passage kann einen ersten Einstieg in das Fach Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft darstellen, dessen Spektrum sich zwischen diesen Polen spannt.


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