16420 Proseminar
Metaphysical Poetry
"About the beginning of the seventeenth century, appeared a race of writers, that may be termed the metaphysical poets",
schreibt 1781 der Poetiker und Literaturhistoriker Samuel Johnson. Seine Wortschöpfung ist kanonisch geworden und benennt seither das englische Pendant der 'Barocklyrik' des europäischen Festlands.
Wir werden Gedichte von 'metaphysical poets' wie John Donne, George Herbert, Andrew Marvell, Abraham Cowley und Henry Vaughan minutiös-genau lesen und in einem zweiten Schritt dichtungstheoretischen Fragen nachgehen, die sich bei der Lektüre dieser schwierigen Texte stellen. So empfehlen sich komparatistische Blicke auf die Traditionen des Figurengedichts - der vormodernen 'visual poetry' -, der Emblematik sowie auf kontinentaleuropäische Lyrik des frühen 17. Jahrhunderts.
Vor eine besondere Herausforderung stellen uns paradoxale Denkfiguren in der 'metaphysical poetry': Sind sie, wie oft behauptet, Merkmal einer Dichtung, die mangels eines ausformulierten Programms ihre Poetik implizit mitschreibt, oder reflektiert sich in ihnen rhetorische und philosophische Theorie? Das Denken von Gegensätzen als Einheit ist hier nachzuvollziehen, im spekulativen Diskurs von Neuplatonismus und christlicher Hermetik der frühen Neuzeit sowie in 'manieristischen' Rhetoriken des scharfsinnigen Witzes.
ZUR VORBEREITUNG empfehle ich, das Penguin-Taschenbuch The Metaphysical Poets. Hg. von Helen Gardner. Harmondsworth 1957ff. zu besorgen und darin vor allem John Donnes und George Herberts Gedichte zu lesen. Weitere Texte stehen im Handapparat.
(Siehe auch bei den Seminararbeiten.)