16422 Proseminar
Alexander von Humboldt - Ästhetik und Poetik Südamerikas
Vor 200 Jahren brach Alexander von Humboldt zu seiner großangelegten Südamerikareise auf. Humboldts Leistungen sind in ihrer biographischen, naturwissenschaftlichen, historischen, politischen und interkulturellen Dimension immer wieder eingehend gewürdigt worden. Die literarischen Ergebnisse seiner Reise (Reisebericht, Tagebücher, Ansichten der Natur, Cuba- und Mexiko-Essay u.a.) wurden dagegen aus einer spezifisch literaturwissenschaftlichen Perspektive bislang nur wenig beachtet.
Der Kurs bietet an, Humboldts Texte auf ihre diversen imaginativen Strategien und rhetorischen Verfahren in der Konstruktion (und Dekonstruktion) der 'Fremde' zu untersuchen, sie anhand einschlägiger Theorien zur Wahrnehmung der 'Neuen Welt' (z.B. Edmundo O'Gorman, Tzvetan Todorov, Stephen Greenblatt, Mary Louise Pratt, Hans Christoph Buch) bzw. fremder Kulturen generell (z.B. Victor Segalen, Clifford Geertz, Homi Bhabha, Edward Saïd) zu analysieren und dabei Vergleiche mit Werken anderer Reiseschriftsteller anzustellen.
Die Frage, wie Alexander von Humboldt América rezipiert und literarisch erzeugt, führt uns zur Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Kulturtheorien, die - in den 'cultural'/'postcolonial' studies - insbesondere die US-amerikanische Literaturwissenschaft prägen.
Zur Einführung:
- Alexander von Humboldt: Die Reise nach Südamerika. (Lamuv).
- Alexander von Humboldt: Ansichten der Natur. (Reclam).
- Tzvetan Todorov: Die Eroberung Amerikas. (es).
- Stephen Greenblatt: Wunderbare Besitztümer. (Wagenbach).
- Mary Louise Pratt: Imperial Eyes. (Routledge).