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16424 Proseminar

Robert Stockhammer und Michael Angele

Popmusik und Literatur


Eine akademische Beschäftigung mit Pop-Musik ist mit der Herausforderung konfrontiert, daß ihr der Gegenstand zu fern oder zu nah zu rücken droht: Entweder geht im soziologischen Blick auf 'Jugend-' bzw. 'Subkulturen' die spezifische Qualität dessen verloren, was eben nicht konzentriert gelesen, sondern gehört, meist nebenbei gehört, oft getanzt wird; oder aber das Hören, Tanzen, Luftgitarrenspielen und Sammeln von Devotionalien erreicht eine Nähe zum Gegenstand, die in Seminardiskussionen nicht mehr mediatisiert werden kann und alle Kriterien der Scheinvergabe aushebelt.

Vielleicht aber erlaubt gerade die Erprobung spezifisch literaturwissenschaftlicher Kompetenzen am vermeintlich ungeeigneten Gegenstand, die Balance zwischen einem Zuviel und einem Zuwenig an Distanz zu wahren. Darum wird das Seminar zunächst einmal Songtexte akzentuieren, also 'Lyrics' als Lyrik behandeln:

  • Ist vielleicht Mustang Ford von T. Rex das genuine Exempel für die strukturalistische Definition der Poesie?
  • Muß nicht die weitverbreitete Rede von der Perspektivlosigkeit unserer Generation mit einer philologisch exakten Lektüre von God Save the Queen (in der Fassung der Sex Pistols) konfrontiert werden?
  • Worin gründet die gängige Meinung, das Englische sei die ideale Sprache der Pop-Musik?

Auch ein großer Teil der neueren Literatur ist jedoch der Pop-Kultur zuzurechnen. Deshalb ist in einem zweiten Schritt zu fragen, wie Literatur Musik zitiert, selbst schreibt, von ihr erzählt oder sie verschweigt, z.B. anhand von Rainald Goetz: Rave oder Andreas Neumeister: Gut laut (beide Frankfurt am Main 1998.).

ZUR VORBEREITUNG:

  • David Bowie: Hunky Dory. RCA Records 1972.
  • The Clash: Sandinista!. CBS 1980.

(Die Seminarleiter pflegen aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters das Vorurteil, daß die interessanteste Pop-Musik zwischen 1967 und 1982 entstand, lassen sich aber gerne eines Besseren belehren.)


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