16410 Grundkurs
Einführung in die Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft
Der Grundkurs soll Studienanfängern einen ersten Überblick über die Vielfalt möglicher Arbeitsfelder geben, die unter dem Namen 'AVL' zusammengefaßt werden. Er bietet zugleich eine Einführung in die all diesen Fachrichtungen gemeinsame Praxis des genauen Lesens.
Schwerpunkt des Seminars wird die Gattungstheorie sein, also die Frage, wie sich überhaupt im unüberschaubaren Feld literarischer Schriftspuren wiedererkennbare Formen mit eigenen Gesetzen und eigener Geschichte herausbilden. Verhandelt wird diese Frage am Beispiel einer Renaissanceform, die im 19. Jh. ein erstaunliches Comeback erlebt: die Novelle. Anhand von Novellen Bocaccios, Cervantes' , Kleists und Goethes, sowie eventuell Gogols und Thomas Manns sollen die Strukturgesetze dieses Genres untersucht, sowie Grundlagen der Erzähltheorie erarbeitet werden. Anhand ausgewählter Novellentheorien (Goethe, F. Schlegel, W. Benjamin) ist die Wechselwirkung zwischen Erzählform und -theorie zu erforschen.
Gefragt wird schließlich nach dem Verhältnis zwischen verschiedenen Gattungen: Novelle - Drama (Vergleich eines Shakespeare-Dramas mit seiner novellistischen 'Quelle') und Novelle - Roman (Lektüre einer der in Cervantes' Don Quijote integrierten Erzählungen). Ein Teil des vierstündigen und von einem Tutorium begleiteten Grundkurses ist Fragen der Studienorganisation und der Arbeitstechnik (Recherche, mündliche und schriftliche Arbeiten) vorbehalten.
ZUR VORBEREITUNG (und Anschaffung): Miguel de Cervantes, Die Novellen, übers. v. K. Thorer, (Insel) 1997.
ZUR ERSTEN ORIENTIERUNG: Gerhard R. Kaiser, Einführung in die Vergleichende Literaturwissenschaft, Darmstadt 1980.