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16426 Proseminar

Reiner Niehoff

Berlin 1929. Das Bild der Großstadt im Diskurs von Architektur, Literatur und Film


Ist es der List der (Kunst-) Geschichte oder den Fern- und Vorwehen der Weltwirtschaftskrise zuzuschreiben, daß gerade 1929 sich die Standortbestimmungen und -beschreibungen der Großstadt überschlagen?

Exakt im Jahre 1929 wird in Berlin die Stadtplanung exzessiv diskutiert und repräsentativ geplant: die Großsiedlung Siemensstadt, der Platz der Republik um den Reichstag und die Neugestaltung des Alexanderplatzes. 1929 wird Corbusiers Städteplanung ins Deutsche übersetzt und nur 1929 erscheint die vom Stadtbaurat Martin Wagner herausgegebene Zeitschrift Das neue Berlin. In diesem Periodicum werden aber nicht nur architekturtheoretische Arbeiten publiziert, sondern auch Essays über Scheerbart und von Benn, dazu Auszüge aus Döblins Berlin Alexanderplatz, dessen Held eben jenen Alexanderplatz betritt, den die Herausgeber der Zeitschrift gerade umplanen. Im selben Jahr erscheint auch, neben vielem anderen, Franz Hessels Spazieren in Berlin und natürlich Erich Kästners Emil und die Detektive. Alle drei Prosawerke werden, mutatis mutandis, umgehend verfilmt: 1931 Döblins Roman, 1931 der Emil und endlich, allerdings zeitlich versetzt, die Hessel-Verfilmung Jules und Jim.

Wie nun stellt sich die Stadt dar in der Architekturtheorie der Wagner und Hilberseimer, der Corbusier und Mächler? Wie in den vom Futurismus geprägten Varianten, Vorspielen und Endmontagen Döblinscher Stadtbeschreibungen, wie beim Flaneur Franz Hessel mitsamt seinem großen städtebaulichen Gegenentwurf: Paris? Wie in Kästners Kinderroman? Wie in den Verfilmungen der Romane, wie in Ruttmanns Berlin, Symphonie einer Großstadt von 1927 oder in Billy Wilders Menschen am Sonntag, ein Film, der ebenfalls 1929 begonnen wird?

Zur Vorbereitung dringend empfohlen und nur bis Ende September zu besichtigen: Die Ausstellung Stadt der Architektur, Architektur der Stadt im Alten Museum.

Ein Reader mit Texten zum Städtebau wird erstellt und liegt zum Semesterbeginn vor. Döblins Alexanderplatz ist bei dtv erschienen, Hessels Spazieren in Berlin im Verlag Arsenal, Kästners Emil ist in jeder Ausgabe willkommen. Das Seminar begleiten wird ein Besuch in den Depots der Sammlung Baukunst der Akademie der Künste und eine gemeinsame Visite der angekündigten Ausstellung des Architekten Hugo Häring Januar 2001.


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