16430 Übung
Wolfgang Hagen
Wyndham Lewis und Marshall McLuhan -
Zur Genesis der Medientheorie aus der Literaturkritik
Wyndham Lewis: "eine Ein-Mann-Armee"(McLuhan), ein Maler (die Londoner Tate Gallery beherbergt seine grandiosen Bilder), ein Kanadier in England, ein Avantgardist der Jahrhundertwende (Mitbegründer des 'Vortizismus' neben Ezra Pound), ein Hitler-Verehrer, ein Verfemter, ein besessener Kritiker der amerikanischen Kultur, ein rechtsradikaler Dialektiker der Aufklärung?
Noch heute werden in den USA Time and Western Man (1927) und America and Cosmic Man (1948) als Modernitätskritik und Zeugnisse einer 'Agonie der Modernität' kulturwissenschaftlich ausgiebig rezipiert. In Europa ist Wyndham Lewis so gut wie vergessen.
Der frühe - der 'literary criticist' - Marshall McLuhan war einer der größten Verehrer von Wyndham Lewis. Die 'Multimedialität' seines unerbittlichen Kulturkritik-Feldzuges hat McLuhan gleichsam angestiftet.
Lewis propagiert die Vision, in der vehementen Industrialisierung und medialen Technisierung des modernen Menschen die 'Magie' (Kunst als zivilisierter Ersatz für Magie) wieder auffindbar zu machen. Auf die Suche nach dieser Vision begeben sich auch McLuhans Medientheorien der 60er Jahre. Ohne Lewis wäre das leicht zu übersehen. Von Wyndham Lewis her aber sind McLuhans 'the media is the message'-These, seine ironischen Klagen gegen das 'globale Dorf' etc. geprägt, nicht von Harold Innis. Und so wird jede Kritik an den Medien, die sich von McLuhan her schreibt, auf die Lektüre der Blaupausen verwiesen, die von Wyndham Lewis stammen.