16451 Hauptseminar
Michel Foucault, «Wahnsinn und Gesellschaft»
Foucaults erstes 'archäologisches' Projekt, Histoire de la folie à l'âge classique (1961) steht heute im Schatten des fünf Jahre später erschienenen philosophischen Bestsellers Les mots et les choses. Unsere Lektüre des Frühwerks verfolgt v.a. drei Fragestellungen:
- die philosophiegeschichtliche Frage nach der Genese der Foucaultschen 'Archäologie' bzw. nach den theoretischen Vorentscheidungen, die in Histoire de la Folie getroffen werden,
- die erkenntnistheoretische Frage nach dem Bild des Wahnsinns, das Foucault entwirft, historisch entfaltet und polemisch gegen die moderne Psychologie in Stellung bringt,sowie
- die literaturwissenschaftliche Frage nach dem Status der Literatur in der Foucaultschen Geschichte des Wahnsinns, die sich einerseits ständig auf die literarische Tradition beruft, andererseits selbst als tragisch-poetische Beschwörung des Wahnsinns auftritt.
In die Diskussion einbezogen werden Foucaults literarische Hauptreferenzen (u. a. Cervantes' Don Quijote, Racines Andromaque, und Diderots Le Neveu de Rameau). Auf dem Programm steht ferner die zwischen Foucault und Derrida geführte Auseinandersetzung um Descartes, die an Histoire de la Folie anknüpft.
ZUR VORBEREITUNG: Lektüre des Textes (dt., allerdings gekürzte Ausgabe: Wahnsinn und Gesellschaft, (Suhrkamp) 1969); ferner empfiehlt sich die Lektüre von Descartes' Meditationes.
Allgemeine Enführung in Foucaults Werk: Pravu Mazumdar: "Über Foucault", in: ders., (Hg.), Foucault, (Diederichs) 1998.