16453 Hauptseminar
Modellierungen des Körpers und der Sinne in theologischen, philosophischen und literarischen Texten des Mittelalters
Es gehört zu den kaum jemals problematisierten Voraussetzungen unseres Denkens über unser Gewordensein, daß Mittelalter und Moderne durch eine Art Bruch voneinander getrennt werden. Die Konzeptualisierungen dieses Bruches differieren in den unterschiedlichen geisteswissenschaftlichen Disziplinen, die größte Komprehensivität dürfte dabei die von der Systemtheorie entwickelte Sprachregelung haben, daß im Übergang von der einen zu der anderen Epoche ein hierarchisch strukturiertes System der Diskurse durch ein funktional gegliedertes abgelöst wird.
In kritischer Reflexion dieser These sollen in dem Seminar Texte über den menschlichen Körper und die Sinneswahrnehmung angesehen werden, die den oben genannten Diskursen zugehören. Dabei geht es darum zu erwägen, ob nicht auch bereits der mittelalterliche Diskurs Momente von Pluralität kennt und was (ggf.) diese von der neuzeitlichen Pluralität der Teil-Diskurse unterscheidet.
Die Veranstaltung richtet sich an Studierende der AVL und der Romanistik; theologie- und philosophie-historisch interessierte Hörer anderer Fächer sind willkommen. Die zu erörternden Texte sind teilweise schwer zu bekommen. Ein READER steht ab 10.10.2000 im copy-shop, Habelschwerdter Allee 39 zur Verfügung. Für eine Übersetzung ins Deutsche (fallweise ins Englische) wird gesorgt.