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16520 Vorlesung

Jurij Striedter

Große russische Komödie


Der Titel der Vorlesung (ein Zitat) ist auch als Fragestellung gemeint: Wer entscheidet (wann und wie), was 'groß', was spezifisch 'russisch' und was eine 'Komödie' ist? Dem entspricht der Aufbau der Lehrveranstaltung.

Zunächst wird untersucht, unter welchen Bedingungen die Gattung Komödie in Rußland eingeführt wurde und wie sich ein nationaler 'Kanon' herausbildete. Kanonisiert wird nicht das Lustspiel mit happy ending, sondern eine satirische - bis ins Groteske steigerbare - Bloßlegung gesellschaftlicher Korruption und menschlicher Unzulänglichkeit am Beispiel der zeitgenössischen russischen Gesellschaft. Da dieser Kanon in Gogol's Revisor gipfelt, ist der zweite Teil der Lehrveranstaltung der Analyse den Komödien Gogols gewidmet.

Der dritte untersucht, wie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts (in den Komödien Ostrovskijs, Suchovo-Kobylins u.a.) bestimmte Themen, Verfahren und Tendenzen der 'gogolesken' Tradition weiter entfaltet werden, und wie vom 'Kanon' abweichende Konzepte (z.B. der psychologisch nuancierten Gesellschaftskomödie Turgenevs) Schwierigkeiten haben, sich durchzusetzen. Das gelingt erst Tschechov, dessen großen 'Komödien' der vierte Teil gewidmet ist. Der fünfte und letzte behandelt die Komödien der Revolutionsepoche (Majakovskij, Erdmann u.a.) in ihrem spezifischen Kontext. Wobei der von Gogol über Tschechov zu Majakovskij gespannte Bogen zugleich aufzeigen soll, wie sehr die großen russischen Komödien auch ein 'Spiel mit reflektierten (auf Gegenwart, Vergangenheit oder utopische Zukunft projizierten) Erwartungen' sind.

Die Lehrveranstaltung ist sowohl für Slavisten als auch für Studierende anderer Literatur- und Kulturwissenschaften (einschließlich Theaterwissenschaftler) gedacht - entsprechend ihrer Konzentration auf bedeutende, zumeist auch im internationalen Repertoire vertretene (und in Übersetzungen verfügbare) Werke. Vgl. dazu auch das Seminar Tschechov als Dramatiker.


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