Nachtrag Hauptseminar 2
Susanne Schmid
Salons in Berlin und London
Die vielbeachtete Renaissance der Berliner Salons wirft erneut die Frage nach dem Entstehen dieser Einrichtungen auf, die an der Schnittstelle zwischen dem öffentlichen und privaten Raum angesiedelt sind und denen vom ausgehenden 18. Jahrhundert an eine essentielle Rolle bei der Vermittlung von Literatur zukam. Anliegen dieses Seminars wird es sein, im Vergleich die Entwicklung der literarischen Salons in Berlin und London zu analysieren. Existiert über Berliner Salons mittlerweile ausgesprochen viel Forschungsliteratur, so betreten wir bei den Londoner Salons geradezu Neuland.
Die Geschichte der Salons wie der Salonnières (z.B. Rahel Varnhagen, Lady Blessington) steht mit Emanzipationsbestrebungen in Verbindung. Das Seminar wird sich mit ausgewählten Salons der Romantik und des 19. Jahrhunderts beschäftigen, an denen sich aufzeigen läßt, inwiefern diese Einrichtung Modernisierungstendenzen reflektiert.
Daneben sollen einzelne Figuren oder Posen (wie z.B. der Poet, der Dandy) und Kommunikationsformen analysiert werden. Die Konversation, der 'Salonton', wird in theoretischen wie literarischen Texten (z.B. bei Oscar Wilde) immer wieder thematisiert. E.T.A. Hoffmanns satirische Darstellung einer ästhetischen Teegesellschaft in den Serapionsbrüdern zeigt Lust und Leid an diesen Gesprächen auf.
Als Quellen dienen Memoiren, Briefe, Tagebücher und literarische Texte, die Salonbewunderung wie auch Salonkritik zum Ausdruck bringen. Da die Salonforschung oft im biographischen Bereich bleibt, ist zu überlegen, wie ein Theorierahmen für übergreifende Fragestellungen aussehen kann (Habermas, Bourdieu).
ZUR EINFÜHRENDEN LEKTÜRE sei verwiesen auf Petra Wilhelmy-Dollinger: Die Berliner Salons. 2. Auflage. Berlin (de Gruyter) 2000.
Beginn: Zweite Semesterwoche. Die ausgefallene Sitzung wird nachgeholt.