16401 Vorlesung
Doris Kolesch
Abenteuer der écriture. Grenzgänge zwischen Strukturalismus, Poststrukturalismus und Dekonstruktion
"Sagen wir es offen: wenn man uns nach dem Strukturalismus fragt, verstehen wir meist nicht, worüber man mit uns sprechen will. Denn zunächst läuft das große Gerücht unter den Fröschen, daß der Strukturalismus so etwas wie eine Philosophie sei und viele schöne Dinge abschaffen möchte, darunter insbesondere den Menschen" (François Wahl).
Solche bis heute kursierenden Gerüchte und Vor-Urteile über den Strukturalismus ebenso wie über post- bzw. neostrukturalistische und dekonstruktive Ansätze möchte die Vorlesung ausräumen. Sie skizziert die Entwicklung der wichtigsten intellektuellen Bewegungen in Frankreich seit den sechziger Jahren und gibt einen Überblick über zentrale Begrifflichkeiten und Konzepte.
Im Vordergrund steht die Klärung und kritische Erläuterung literaturwissenschaftlicher und ästhetischer Grundbegriffe wie Text und Diskurs, écriture und Engagement, Intertextualität, différance oder Dissemination. Auch den Vorstellungen vom Tod des Autors und der damit verbundenden Neu-Konzeption des Lesens werden wir nachgehen.
Die Vorlesung verfolgt eine komparative und interdisziplinäre Betrachtung, die neben literaturwissenschaftlichen und ästhetischen Positionen auch Texte aus der Linguistik, der Ethnologie, der Philosophie, der Soziologie und der Medienwissenschaft heranzieht. So kommen die französischen Theoriebewegungen der letzten Jahrzehnte als exemplarische Grenzgänge im gemeinsamen Raum von Moderne und Postmoderne in den Blick.
Die Vorlesung wendet sich an Studierende der AVL und der Romanistik.