Tutorium
Tarek Münch
Tutorium 1 zum Grundkurs von Jana Ziganke
Das Tutorium will im Anschluss an die Seminardiskussion ein Forum bieten für Fragen und Austausch. Es wird zunächst in Praktiken des wissenschaftlichen Arbeitens wie Recherche und Referate einführen, danach soll verstärkt auf das Verfassen von Hausarbeiten hingearbeitet werden.
Die Roman-Welt in Nikolaj Gogols Die toten Seelen ist gezeichnet von geistiger Hohlheit und falschem Schein. Vladimir Nabokov sieht darin eine ur-russische Erfahrung thematisiert, für die es in anderen Sprachen keine exakte Entsprechung gibt: poschlost kann u.a. mit billig, kitschig oder aufgedonnert übersetzt werden; ihr Wesenszug - so Nabokov - ist die Dummheit, die jedoch "mit so einem guten Tarnanstrich versehen ist, dass ihr Vorhandensein (in einem Buch, einer Seele, einer Institution, an Tausenden von anderen Stellen) oft dem Spürsinn entgeht."
Diesem Phänomen des Falschen soll im Tutorium nachgegangen werden - methodisch durch eine strukturelle Untersuchung, komparatistisch durch Analogien zu maskierter Hohlheit in Werken anderer Autoren (z.B. Flaubert, Proust, Cechov): Roland Barthes strukturalistische Betrachtung der Mythen des Alltags zeigt, dass Praktiken der Literaturwissenschaft auch auf Kinofilme, Reklame und andere Phänomene des Zeitgeistes angewendet werden können. Die Fokussierung des Unechten stellt auch die Literatur unter Verdacht: Was macht sie zu mehr als einer Vorspiegelung?
Die Auswahl der Lektüre kann in den ersten Sitzungen je nach den Interessen der Teilnehmer variiert werden.
Einen guten Einstieg ins AVL-Studium bietet Terry Eagletons Einführung in die Literaturtheorie (Sammlung Metzler Band 246).