16425 Proseminar
Doris Kolesch
Von der Semiotik zur Lust am Text: Roland Barthes
Roland Barthes (1915-1980) gehört zu den profiliertesten und einflußreichsten französischen Intellektuellen des 20. Jahrhunderts. Sein Gewicht als Kritiker, Literaturwissenschaftler, Zeichentheoretiker und Schriftsteller geht nicht auf ein geschlossenes philosophisches System zurück, sondern beruht auf einem offenen, essayistischen Denken, das sich in permanenter Bewegung und Veränderung befindet.
Die Semiologie Barthesscher Prägung untersucht die kulturellen Techniken der Sinnproduktion weniger auf analytische Weise als vielmehr nach der Art eines Abenteuers: spielerisch werden antithetische Begriffspaare eingeführt und im gleichen Moment verschoben, zerstreut und unterlaufen. Anhand ausgewählter Texte aus dem umfangreichen Œuvre von Barthes werden wir die Relevanz, Brisanz und Aktualität einer solchen Denk- und Schreibbewegung für literaturwissenschaftliche, ästhetische und medientheoretische Fragestellungen diskutieren.
Ergänzend zum Seminar wird der Besuch der Vorlesung Abenteuer der écriture. Grenzgänge zwischen Strukturalismus, Poststrukturalismus und Dekonstruktion empfohlen.