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16432 Übung

Jens Balzer

Theorie und Praxis des Rezensierens -
Vom klassischen Feuilleton zur Popkritik


Sinn und Zweck dieser Veranstaltung ist die gemeinsame Übung im Rezensieren: Erprobung und kolloquiale Überprüfung der unterschiedlichen Formen, in denen kulturelle Gegenstände im Feuilleton vorgestellt, beschrieben und eingeschätzt werden.

Den Ausgangspunkt gibt die althergebrachte Literaturkritik mittlerer Länge und Interessantheit ab; daran anschließend beschäftigen wir uns mit einigen ’ganz anderen’ Formen der Literaturvermittlung ("ich finde, man müsste echt mal ganz anders über Literatur schreiben"): Glossen und Kommentare, Autoren- und Verlagsportraits, Besprechungen von Lesungen.

Weil die Literatur im Gesamtzusammenhang der Kultur - und entsprechend in den Feuilletons - aber auch weiterhin an Bedeutung verliert, werden wir uns zudem der Rezension ’ganz anderer’ kultureller Gegenstände ("ich finde, man müsste im Feuilleton mal über ganz andere Gegenstände was machen") zuwenden: Comics, Schallplatten, Videoclips, Debatten zur Genethik.

Dabei wird sich einmal wieder die Frage nach dem Zusammenhang zwischen ästhetischer Autonomie und ökonomischer Verwertbarkeit stellen. Wie kann man die Gelungenheit eines kulturindustriellen Gegenstands in einem literarischen Schema erfassen, das traditionell auf weltferne Zweckfreiheit geeicht ist?

Hauptarbeitsweise: das regelmäßige Verfertigen von Rezensionen und deren Besprechung im Plenum. Besonderes Augenmerk wird auf der Stilkritik liegen: Wie vereinbart man die berufsnotwendige Kritiker-Eitelkeit (stilistische Prägnanz, sprachliche Idiosynkrasien) mit dem journalistischen Gebot der allgemeinen Verständlichkeit und Plausibilität?

Wenn Interesse besteht, können anhand der Simulation eines Feuilletons oder einer Literaturbeilage aber auch einige Phänomene des Redaktionsalltags kennengelernt werden: endlose Themenkonferenzen, erbitterte Verteilungskämpfe um den knappen Seitenplatz, Gerangel mit eigensinnigen Layoutern und Korrektoren, Produktion unter sinnlosem Zeitdruck.

Zur Vorbereitung empfiehlt sich am ehesten die konsequente tägliche Lektüre eines überregionalen Feuilletons sowie sämtlicher Literaturbeilagen zur Frankfurter Buchmesse; in den ersten beiden Sitzungen werden wir einige Rezensionen zur aktuellen Herbstproduktion miteinander vergleichen.


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