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16452 Hauptseminar

Martin v. Koppenfels

Hysterie und Literatur

Dienstag 10-13 Uhr
Hüttenweg 9, Kleiner Seminarraum

Beginn: 16. Oktober 2001


Seit Baudelaire Flauberts Heldin Emma Bovary den Ehrentitel "poète hystérique" verlieh, hat sich die Vorstellung eingebürgert, im 19. Jahrhundert bestehe eine Wahlverwandtschaft zwischen der Literatur und jenem Faszinosum, das die zeitgenössische Psychiatrie unter dem Begriff ’Hysterie’ zu fassen suchte. Verantwortlich für diese Affinität scheinen gemeinsame Interessen von Medizin und Literatur: das Interesse am (weiblichen) Körper und an der (weiblichen) Sexualität, sowie an den Ausnahmezuständen der Seele.

Das Seminar wird sich diesem medizinisch-literarischen Komplex vom Frühwerk Freuds her nähern und die Herausbildung der Psychoanalyse aus der Hysterieforschung ins Zentrum stellen. Die Seminararbeit soll Einblick geben in

  1. ) die höchst umstrittene Entstehungsgeschichte der Psychoanalyse;
  2. ) die literarischen Kontexte dieser Geschichte (Einfluß der Tragödientheorie und des realistischen Romans);
  3. ) die Auswirkungen psychoanalytischer Erkenntnisse auf die Erzähltheorie.

Den Ausgangspunkt bildet die Lektüre von Breuers / Freuds Studien über Hysterie (1895) sowie von Freuds Bruchstück einer Hysterie-Analyse (1905, der sog. "Fall Dora").

Zur Anschaffung und Vorbereitung:

  • Josef Breuer / Sigmund Freud: Studien über Hysterie.
    (Fischer) 1991.

Literaturhinweis:

  • Karin Westerwelle: Ästhetisches Interesse und nervöse Krankheit.
    (Metzler) 1993.


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