16537 Hauptseminar
Der Moskauer Konzeptualismus
Der Moskauer Konzeptualismus der 70er und 80er Jahre ist eine Bewegung aus künstlerischen Einzelpositionen, deren Gemeinsames darin besteht, sich als ästhetischer und philosophischer Gegenkanon zu den kollektiven Imperativen der herrschenden Sowjetideologie zu verstehen. Zu den wichtigsten Vertretern gehören Ilja Kabakov und Viktor Pivovarov (Malerei, Alben und Installationen), die Gruppe Kollektivnye Dejstvija (Kollektive Aktionen) um Andrej Monastyrskij (Performance- und Objektkunst), die Medhermeneuten und Dmitrij Prigov, Vladimir Sorokin und Lev Rubinstejn in der Literatur.
Das Kennzeichnende der Bewegung ist, dass die Auseinandersetzung mit der sie umgebenden Ideologie nicht durch kryptische Zeichensprache erfolgt, die nur wenigen Eingeweihten zugänglich ist, sondern gerade umgekehrt: Die alltäglichen Zeichen, Symbole und Mythen werden aufgegriffen und spielerisch ironisiert. Der Diskurs der offiziellen Kunst und Literatur, der der Massenkultur aber auch Zitate und Anspielungen aus dem sogenannten hohen Literaturkanon werden in völlig fremde und überraschende Kontexte montiert.
Das Seminar will die verschiedenen konzeptuellen Schreibstrategien (den Begriff des Textes, den Kanon der Leere, der Autor als Personage usw.) vorstellen. Dabei soll sowohl der Umgang mit der russischen Tradition demonstriert, als auch Grundmotive des westlichen postmodernen Diskurses herausgearbeitet werden.
Bedingungen für die Scheinvergabe sind regelmäßige und aktive Teilnahme, schriftlich ausgearbeitetes Referat oder Hausarbeit.
Das Seminar richtet sich an Slavisten und Osteuropa-Studenten, sowie an Studierende der AVL.