16400 Vorlesung
Philippe Despoix
Technik, Medien und Literatur
Vergleichende Perspektiven von der Antike zur Moderne
Die Vorlesung wird das Verhältnis von Technik, Medien und Literatur paradigmatisch anhand von drei Epochen untersuchen.
In der griechischen Antike wird zunächst die sogenannte politische Blockierung der Technik am Beispiel ihrer Reflexion im dramatischen Schauspiel (insbesondere bei Aischylos) befragt.
Die für die Aufklärung typische Verbindung von Maschine und Wissen soll anhand der Entwicklung des Chronometers und anderer Techniken zur Kartierung der Erde dargestellt werden. Es sind hier die zeitgenössischen literarischen Utopien (Rétif de la Bretonne, Sade u.a.), die die darauffolgende Trennung von sozial-politischer Repräsentation und Naturerkenntnis in Frage stellen.
In der Moderne schließlich provoziert die massive Einbeziehung der Fotografie in der Literatur (insbesondere bei Proust) und in der Essayistik die Frage nach spezifisch visuellen Wissensformen.
Die Zusammenführung von Technik, Wissenschaft, Medien und Literatur im historisch übergreifenden Vergleich versteht sich hier als Versuch, neue Erkenntnismodelle zu entwerfen.
Literatur:
- Jean-Pierre Vernant: Die Entstehung des griechischen Denkens.
Frankfurt am Main 1982. (insbesondere Kap. VIII).
- Bruno Latour: Wir sind nie modern gewesen. Versuch einer symmetrischen Anthropologie.
Frankfurt am Main 1998. (insbesondere Kap. 2).
- Roland Barthes: Die helle Kammer. Bemerkungen zur Photographie.
Frankfurt am Main 1989. (insbesondere Teil II).