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16411 Grundkurs

Jana Ziganke

Einführung in die Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft


Das Seminar wendet sich an Studienanfänger und will ihnen einen ersten Einblick in das weitgespannte Arbeitsfeld des Faches, in seine Methoden und sein Selbstverständnis bieten. Am Leitfaden des Themas Literatur und Dummheit soll das zuweilen nicht immer unproblematische Zusammenspiel von literarischen Texten, Theorien und Methoden in der Praxis der Literaturwissenschaft ins Bewußtsein gerückt werden. Ästhetische Texte sind genuin selbstreflexiv - dies betrifft auch ihr Verhältnis zum Phänomen Dummheit und Klugheit.

Unser Seminar bietet einen komparatistischen Streifzug durch unterschiedliche historische Kontexte und Literaturgattungen an: Mythen, Weisheitssprüche, Gleichnisse, Dialoge, Satiren, Fabeln, Traktate, Essays, Aphorismen, Märchen, Romane, Lyrik und Dramen ... Systematisch soll der Blick der Teilnehmer für Textstrukturen geschärft werden, die - teilweise auch gegen die Sinnstrategien der eigenen Gattung oder des Textes selbst - Oppositionsbildungen zwischen Weisheit/Klugheit und Dummheit unterminieren. Die jeweiligen Voraussetzungen der eigenen Urteilsbildung und Texterschließung bilden einen weiteren Schwerpunkt unseres Interesses.

Verstrickt sich nicht derjenige, der das ’Unwesen’ von Dummheit zu definieren und Abgrenzungskriterien gegenüber einem wie auch immer gearteten Wissen zu entwickeln versucht, in unauflösbare Widersprüche? Wo eigentlich verläuft die Grenzlinie zwischen Klugheit und Dummheit und steht nicht mit der Frage nach der Dummheit zugleich das Wissen über das Wissen selbst auf dem Spiel? Was schließlich verrät die Zuweisung von Dummheit über die Unterscheidungs- und Ausschlußpraktiken einer, beispielsweise unserer (Wissens)Gemeinschaft?

Auf dem Programm stehen Texte und Textauszüge aus dem Alten und Neuen Testament, von Äsop, Heraklit und Hesiod, aus den Gestae Romanorum und von den Brüdern Grimm, Erasmus von Rotterdam und Jean Paul, Shakespeare, Lessing, Nietzsche, Musil und Valéry. Den Schwerpunkt des Seminars bildet die Lektüre und Analyse des Romans L’éducation sentimentale von Flaubert. Das Seminar wird mit Schriften von Foucault, Freud, Bachtin, Sartre und Derrida theoretisch flankiert.

Der vierstündig stattfindende und von zwei Tutorien (Tutorium 1 - Tutorium 2) begleitete Grundkurs bietet zugleich Gelegenheit, auch Organisationsfragen zu Fach, Studium und Berufswahl zu besprechen.


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