16420 Proseminar
Rhetorik als Universalwissenschaft in Antike und Gegenwart
Rhetorik war in der Antike weit mehr als nur eine Anleitung zur Verzierung von Reden zwecks Steigerung ihrer Wirkungskraft. Aristoteles und Ciceros Schriften zur Rhetorik befassen sich auch mit Fragen, die heute in der Anthropologie, der Wissenschaftstheorie oder der Ethik diskutiert werden.
Das Seminar soll aus zwei gleich gewichteten Komponenten bestehen. Zuerst soll eine Einführung in Systematik und Reichweite antiker Rhetorik-Vorstellungen gegeben werden. Dies geschieht durch Lektüre zentraler Texte der Antike: Aristoteles Rhetorik und Ciceros De Oratore (Über den Redner).
Im zweiten Teil wollen wir die Wiederaufnahme ähnlich umfassender Konzeptionen der Rhetorik im 20. Jahrhundert analysieren. Dazu wollen wir (je nach Interesse/Nebenfächern der Teilnehmenden) den Status der Rhetorik in Geschichtsschreibung, Psychologie, Rechtswissenschaft, Ökonomie, Philosophie und selbstredend das Verhältnis von Rhetorik und Literaturwissenschaft untersuchen. Hierzu lesen wir einzelne neuere Aufsätze. Studien über das Verhältnis der Rhetorik zu einer Vielzahl von Disziplinen finden sich etwa in: John S. Nelson (u.a. Hgg.): The Rhetoric of the Human Sciences. Madison 1987.
Zur Anschaffung empfohlen: die Reclam-Ausgaben von Aristoteles Rhetorik. Für die wohl schönste systematische, knappe und angenehm zu lesende Einführung in die Rhetorik halte ich Roland Barthes Text "LAncienne rhétorique. Aide-mémoire", in: R. Barthes: Laventure sémiologique. (deutsch: Das semiologische Abenteuer).