16424 Proseminar
Lesbische und schwule Erzählliteratur der Neunzigerjahre
(an ausgewählten Beispielen in englischer, französischer und deutscher Sprache)
Die Darstellung lesbischer und schwuler Themen in der Literatur galt lange Zeit als anrüchige Angelegenheit einer subkulturellen Minderheit. In den Mainstream drangen bestenfalls Bilder problematischer Randexistenzen, die schicksalhaft auf ihre Homosexualität festgelegt waren. Die Neunzigerjahre haben jedoch einen Normalisierungsschub ermöglicht, der zu einer größeren Präsenz und Vielfalt von schwulen und lesbischen Inhalten führte.
War die Literatur von und über Homosexuelle in den Siebziger- und Achtzigerjahren von einem starken Pathos des Coming out geprägt, das für die narrative Ausarbeitung enge Genre-Grenzen setzte, so kann man in den Neunzigerjahren eine Ablösung vom Coming-out-Plot beobachten. Nicht zuletzt unter dem Einfluß der Queer-Bewegung diversifiziert sich das Erzählmaterial und eröffnet Gebiete jenseits der von geschlechtlicher und sexueller Identität gesetzten Grenzen.
Das Seminar möchte einführende Hilfestellungen in die Analyse von Erzähltexten und die Beschäftigung mit Gender und Queer Studies geben. Folgende Romane sollen genauer besprochen werden, deren Lektüre im Verlaufe des Semesters von allen Teilnehmern und Teilnehmerinnen vorausgesetzt wird:
- Ahima Beerlage: Sterne im Bauch. 1998.
- Dennis Cooper: Frisk. 1991.
- Guillaume Dustan: Dans ma chambre. 1996.
- Leslie Feinberg: Stone Butch Blues. 1993.
- Karen-Susan Fessel: Bilder von ihr. 1997.
- Christoph Geiser: Im Gefängnis der Wünsche. 1992.
- Sarah Schulman: People in Trouble. 1990.
- Napoleon Seyfarth: Schweine müssen nackt sein. 1991.
- Michael Sollorz: Abel und Joe. 1994.
- Jeanette Winterson: Oranges are not the only fruit. 1991.
Alle Romane liegen auch in deutscher Übersetzung vor.