16433 Übung
Regine Strätling und Susanne Vincenz
Michel Leiris und Jean Rouch.
Formen ethnologischer Erfahrung
Ausgehend von Michel Leiris Expeditionstagebuch LAfrique fantôme sowie ausgewählten Filmen von Jean Rouch soll die Verknüpfung ethnologischer Herangehensweisen und autobiographischer Erfahrung untersucht werden. Die Übung wird Leiris und Rouchs Werke nach textuellen und filmischen Darstellungsformen befragen, die der Paradoxie einer Wissenschaft vom Fremden begegnen, indem sie den subjektiven Beobachterstandpunkt und die Medialität der Darstellung reflektieren.
Wesentliche Aspekte, die thematisiert werden sollen, sind, inwiefern die Texte und Filme auf die Frage nach dem Verhältnis von Wissenschaft und Fiktion und von Abbild und Konstruktion in der Fremderfahrung reagieren und inwiefern die Werke das Spiegelverhältnis zwischen Eigenem und Fremden und die Prägung dieser Spiegelung durch die eigenen Projektionen reflektieren.
Um die textuellen und filmischen Innovationen von Leiris und Rouch vor dem Hintergrund der Ethnologie im 20. Jahrhundert einschätzen zu können, werden verschiedene methodische Überlegungen der Ethnologie in den Blick genommen wie teilnehmende Beobachtung, dichte Beschreibung, Versuche einer responsiven Phänomenologie des Fremden und psychoanalytische Modelle in der Begegnung mit dem Fremden (Übertragung/Gegenübertragung).
Vorbereitung: Lektüre von Leiris LAfrique fantôme (deutsch: Phantom Afrika).
Einige Sitzungen werden länger dauern, damit Jean Rouchs Filme gemeinsam angeschaut werden können. Für diese Sitzungen sollten zwei Stunden im Anschluß an das Seminar freigehalten werden.
Bedingungen für die Scheinvergabe: regelmäßige und aktive Teilnahme, schriftlich ausgearbeitetes Referat oder Hausarbeit.