16453 Hauptseminar
Ash-Wednesday: Literatur und Depression
"Das Nervenübel ist o.k., wenn man bedenkt, wozu es geführt hat."
Pounds lakonischer Kommentar zur Genese von Eliots Langgedicht The Waste Land macht das übergreifende methodische Interesse des Seminars namhaft: vor dem Hintergrund der Kritik des Biographismus nach dem Nexus zwischen Dichtung und individueller Lebensgeschichte zu fragen; hier: nach dem Zusammenhang zwischen Literatur und Depression. Neben Gedichten und Essays T.S. Eliots ist H. Hesses Roman Der Steppenwolf (und die Dokumente zur Krisis; ergänzend der dem Glasperlenspiel eingefügte Text Der Regenmacher) Gegenstand des Seminars sowie Jean-Paul Sartres La nausée.
In einem zweiten Teil soll eine Annäherung an das Werk Jean Amérys versucht werden, dessen Essays sich auf das vécu, auf die individuelle, unvertretbare Zeugenschaft als Legitimationsbasis des Schreibens berufen. Jenseits von Schuld und Sühne, Über das Altern und Hand an sich legen sollen thematisch werden, aber auch Amérys kritische Stellungnahmen zu Foucault und Adorno. Daher ist neben der Lektüre der genannten Texte auch eine Kenntnis der Meditationen zur Metaphysik aus der Negativen Dialektik Adornos erforderlich, auch eine gewisse Vertrautheit mit Foucault.
Zusätzlich empfiehlt sich eine Einarbeitung in psychologische Studien zur klinischen Depression, etwa die Lektüre von Edith Jacobsons Buch mit gleichnamigem Titel.