16460 Hauptseminar
Francis Ponge: Vom geschlossenen Textobjekt zum genetischen Dossier
Francis Ponge (1899-1988) ist bekannt für eine Prosadichtung, die als eine Art Definition und Deskription alltäglicher Dinge (Brombeere, Kieselstein, Auster ...) beginnt. Die Texte wollen den Gegenständen ähnliche Objekte aus Sprache sein, d.h. sie wollen v.a. kompakt und statisch, abgerundet und körperhaft wirken. Im Lauf seines Schreibens geht Ponge jedoch von geschlossenen Gegenständen über zu offeneren, beweglichen und in der Zeit sich verändernden (z.B. eine Spinne in ihrem Netz, eine Wiese u.a.). Die textuellen Äquivalente werden damit ebenfalls dynamisch: Sie zeigen ihr eigenes Werden vor, d.h. sie werden zusammen mit Vorstufen, Materialien und Varianten veröffentlicht. Der Leser sieht sich nicht nur mit einem Werk, sondern auch mit der Werkstatt konfrontiert und schließlich sogar mit einer Werkstatt ohne Werk.
Im Seminar sollen Texte aus Ponges verschiedenen Phasen gelesen und interpretiert werden: solche, in denen seine Poetiken modellhaft verwirklicht sind, methodologische Schriften und Texte zu Werken der bildenden Kunst, die für die Entwicklung seines Schreibens bedeutsam sind.