16470 Oberseminar
Ernst Cassirer in den Geistes- und Sozialwissenschaften: Panofsky, Curtius, Bourdieu
Ernst Cassirers Philosophie der symbolischen Formen entwickelt eine "spezielle Formenlehre des Mythos" (Teil 2, 1925), in der Raum, Zeit und Zahl - statt als kategoriale Bedingung der Möglichkeit von Erkenntnis - als spezifische Akzentuierungen angeschauter Wirklichkeit erscheinen. Die "mythische Synthesis" grenze eine heilige Realität gegen eine profane ab. Jede qualitative Differenz gegenüber der profanen Welt wird innerhalb der geheiligten Sphäre auch in Raum, Zeit und Zahl abgebildet. Der Erscheinungsweise nach Ungleichartiges wird unter dem Aspekt der mythischen Anschauung ähnlich. (z.B. totemistische Zuordnungen zu Elementen, Himmelsrichtungen ...)
Mit der Entwicklung einer entsprechenden Formenlehre hat Cassirer Einfluß auf die Geistes- und Sozialwissenschaften gewonnen, die hier Modelle einer nicht-logischen Synthesis vorgebildet fanden.
Im vergangenen Wintersemester habe ich eine Vorlesung über Cassirers Philosophie der symbolischen Formen gehalten, an die dieses Seminar über Cassirers Wirkung in der Kunstwissenschaft (Panofsky), der Literaturwissenschaft (Curtius) und der Kultursoziologie (Bourdieu) anschließt, ohne die Vorlesung vorauszusetzen. Ein Seminarplan wird noch vor Beginn des Semesters durch Aushang bekannt gegeben.
Literatur zur Einführung:
- Ernst Cassirer: "Der Begriff der symbolischen Form im Aufbau der Geisteswissenschaften".
in: E. C.: Wesen und Wirkung des Symbolbegriffs.
Darmstadt 1965 (= WBG), S. 171 - 200.
- Erwin Panofsky: "Perspektive als symbolische Form".
in: Vorträge der Bibliothek Warburg 1924-25.
Leipzig und Berlin 1927.
jetzt in: E. P.: Deutschsprachige Aufsätze I. Hgg. v. Karen Michels und Martin Warnke.
Berlin 1998, S. 664 - 767.
- Ernst Robert Curtius: Europäische Literatur und lateinisches Mittelalter.
Bern 1954.
- Pierre Bourdieu: Soziologie der symbolischen Formen. [frz. 1968].
Frankfurt am Main 1970/1974.