52719 Vorlesung
Die zwanziger Jahre - eine Schwellenzeit
Die Vorlesung widmet sich einer Schwellenzeit. In den zwanziger Jahren vollzieht sich der Übergang von den kulturellen und ästhetischen Programmen der Avantgarde zur totalitären Epoche der dreißiger Jahre. Es ist die Zeit der sich formierenden Massenkultur. Utopische Programmatik wird mittels medialer Illusionstechniken zum Traum.
Gleichzeitig vollzieht sich eine Modifizierung der avantgardistischen Kunstkonzepte. In den linksavantgardistischen Strömungen wird einerseits eine technizistisch gefärbte Verfremdungsästhetik radikalisiert (Konstruiertheit, Verfahren, Montage, Faktur) und gegen stärker werdende Tendenzen der Restaurierung identitätsästhetischer und organizistischer Konzepte geltend gemacht. Andererseits werden die neuen und alten Künste (Kino, Fotografie, bildende Kunst, Theater und Literatur) einer strikten Ideologisierung unterworfen. Im Zeichen der Kulturrevolution scheinen Ende der zwanziger Jahre für eine kurze Zeit künstlerische und politische Utopismen zu konvergieren.
Die skizzierten Spannungen sollen Gegenstand der Vorlesung sein. Methodisch soll nach zwei Prinzipien verfahren werden: einerseits einer diachron orientierten medien- und gattungsdifferenzierten Darstellung, andererseits exemplarischer synchroner Jahresschnitte.