16420 Proseminar
Text und Bild im Experimentalfilm des 20. Jahrhunderts
Aktuelle Änderung:
Das Proseminar findet am 4. Dezember 2003 ausnahmsweise im Foyer des Instituts für Musikwissenschaft, Grunewaldstraße 35 statt, um gegen die geplante Abschaffung der Musikwissenschaft an der Freien Universität Berlin zu protestieren.
Das außerplanmäßige Thema der Seminarsitzung lautet serielle Kompositionsverfahren in Musik, Literatur und Film. Zur Vorbereitung stehen Texte im Handapparat des Seminars in der Bibliothek des Instituts für AVL bereit. Teilnehmer anderer Seminare, Studenten anderer Institute und außeruniversitäre Gasthörer sind herzlich willkommen.
Das Institut für Musikwissenschaft, das sich im selben Gebäude wie die Institute für Theater- und Filmwissenschaft befindet, kann am günstigsten mit dem Bus 183 oder X83 ab Dahlem Dorf oder Rathaus Steglitz, Haltestelle Schmidt-Ott-Straße erreicht werden (siehe Stadtplan).
Der Versuch, aus radikalen Reflexionen ihres Materials neue Sprachen zu gewinnen, kennzeichnet die Avantgarde-Künste des 20. Jahrhunderts. Der Experimentalfilm jedoch hat sich im Vergleich zu anderen experimentellen Kunstformen wie der konkreten Poesie, der abstrakten Malerei und der atonalen Musik nur peripher in Bildungs- und Wissenskanons eingeschrieben. Da der Kinofilm eine intermediale Kunstform ist, die Bild, Text und Ton einschließt, überrascht es nicht, daß Experimentalfilme diese Beziehungen thematisieren, neu knüpfen und somit auch als kinetische Poesie lesbar werden.
Zu ihrem Vokabular gehören
- Text-Bild-Montagen (Marcel Duchamp, Anémic Cinéma [1926], Luis Buñuel und Salvador Dalí, Un chien andalou [1929]),
- Film als Erweiterung lettristischer Poesie (Maurice Lemaître, Le film est déja commencé [1951]),
- Gedicht-Adaptionen (Man Ray, Létoile de mer [1928]),
- Appropriationen literarischer Vorlagen (Germaine Dulac, La Coquille et le Clergyman [1928], Werner Nekes, Uliisses [1982], Stan Brakhage, Dante Quartet [1987]),
- filmische Alphabete und Grammatiken (Peter Kubelka, Arnulf Rainer [1960], Peter Greenaway, H is for House [1973]),
- Montage von Bild und Songtexten auf der Tonspur (Kenneth Anger, Scorpio Rising [1964]),
- Kollaborationen von Experimentalfilmern und Schriftstellern (Robert Frank und Jack Kerouac, Pull My Daisy [1959]),
- Zersetzung von Sprechsprache durch Filmsprache (tENTATIVELY, a cONVENIENCE, Bob Cobbing [1995], Caspar Stracke, Circles short circuit [1998/2002]).
Die Auswahl muß sich auf Filme beschränken, die zur Zeit auf VHS-Video oder DVD erhältlich sind, weshalb es zu Beginn des Semesters noch zu Programmänderungen kommen kann. TeilnehmerInnen sollten über ein Vorwissen der experimentellen Künste und Literaturen des 20. Jahrhunderts verfügen.
Zur Vorbereitung:
- Ernst Scheugl und Ernst Schmidt jr.: Eine Subgeschichte des Films. 2 Bände.
Frankfurt am Main 1974.
(Siehe auch bei den Seminararbeiten.)