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16426 Proseminar

Irene Albers

Louis-Ferdinand Céline: ‚Voyage au bout de la nuit‘ (1932)


Kaum ein Roman der 30er Jahre hat bei seinem Erscheinen so viel Aufsehen erregt wie der Roman des ehemaligen Armenarztes, Kriegsteilnehmers, Werksarztes bei Ford, Afrikareisenden (im Dienst der Hygienekommission des Völkerbundes) und späteren Antisemiten und Kollaborateurs Louis-Ferdinand Céline (1894-1961). Voyage au bout de la nuit schildert in pikaresker Manier den desillusionierenden Irrweg des Ferdinand Bardamu durch drei traumatische Erfahrungen des 20. Jahrhunderts: Krieg, Kolonialismus und Wirtschaftskrise.

Der Reiz dieses bisweilen eher ungeliebten aber längst kanonisierten Klassikers der französischen Literatur liegt einerseits in der Verbindung zeitgenössischer linker Themen (z.B. Kolonialismuskritik) mit Traditionen eines rechten Kulturpessimismus, andererseits in der radikalen Erneuerung der Sprache des Romans. Beide Aspekte sollen im Seminar eingehend analysiert und kontextualisiert werden.

Auch wenn Célines berüchtigte antisemitische Pamphlete erst nach 1937 entstanden sind, steht die Frage nach dem Zusammenhang zwischen seinem Romanerstling und seinem pathologischen Rassismus und Antisemitismus bis heute im Mittelpunkt der Forschung. Wir werden uns die interessanteren Positionen der Debatte (z.B. Kristeva, Gumbrecht) ansehen und versuchen, durch die Einbeziehung des dem Roman thematisch verwandten Theaterstücks L’Église (1933) zusätzliche Perspektiven auf Célines ambivalente Ästhetik zu finden.

Zur Anschaffung und vorherigen Lektüre wird die Ausgabe bei Gallimard, coll. „folio“ empfohlen. Es liegt seit diesem Jahr eine Neuübersetzung von Hinrich Schmidt-Henkel vor (Reise ans Ende der Nacht, Reinbek (Rowohlt) 2003).


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