16451 Hauptseminar
Bibel und Literaturwissenschaft
Wie läßt sich literaturwissenschaftlich über biblische Texte arbeiten? Wie soll sich die Arbeit vollziehen, um zu einem angemessenen Verständnis ihres Gegenstands zu gelangen? Welche Richtlinien geben die Schriften selbst vor? In welches Verhältnis setzt sich die literaturwissenschaftliche Reflexion zu solchen Vorgaben? Kann sie an ältere Auslegungstraditionen anknüpfen und diese für ihre eigene Praxis fruchtbar machen?
Das sind einige der Fragen, denen das Seminar nachgehen wird. In einer Zeit verstärkter Aufmerksamkeit auf religiöse Überlieferungen tut die Literaturwissenschaft gut daran, die jüdische und die christliche Bibel, wie auch den Koran, nicht allein als Sammlung weltliterarisch bedeutsamer Stoffe, als Motivspender und Repertoire von Denkfiguren wahrzunehmen, sondern die Schriften in ihrer je eigenen Intention und Gestaltung zu begreifen. Nur so sind die Auslegungen und die Kritik, die die biblische Rede in Werken der Literatur durch die Jahrhunderte erfahren hat, genau einzuschätzen.
Zur Vorbereitung sei, neben der Bibellektüre, empfohlen:
- die allgemeine Einleitung in den Artikel Bibel.
in: Kindlers Neues Literatur-Lexikon. Band 18.
München 1996, S. 196 - 202.
- die General Introduction, Introduction to the Old Testament und Introduction to the New Testament.
in: The Literary Guide to the Bible. Ed. Robert Alter und Frank Kermode.
Cambridge, Mass. 1994, S. 1 - 8, S. 11 - 35 und S. 375 - 386.
- und schließlich die Introduction in das Buch von Harold Fisch: Poetry with a Purpose. Biblical Poetics and Interpretation.
Bloomington (Indiana University Press) 1990, S. 1 - 7.
Zur ersten Orientierung über einzelne biblische Bücher ist nützlich:
- Claus Westermann: Abriß der Bibelkunde. Altes Testament. Neues Testament.
Stuttgart 1991 u. ö.