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16440 Proseminar

Nicola Gess

Kriegsliteratur. Die literarische Verarbeitung des Ersten Weltkriegs


„Dieser Krieg führt für unsere Dichtung eine völlige Umwälzung herauf“, verkündete der Literaturkritiker Julius Hart im ersten Kriegsjahr enthusiastisch. Dabei schwingt in seiner Hoffnung auf eine „neue Literatur“ die allgemeinere Hoffnung auf eine „neue Zeit“ mit, die der Kriegsbegeisterung vieler deutscher und österreichischer Intellektueller zugrunde lag. Wenn auch mit divergenten Zielrichtungen, begrüßten sie den Krieg als Katharsis. Gegen Ende des Krieges mehrten sich jedoch kritische Stimmen, die dem Krieg aus unterschiedlichen Gründen ablehnend gegenüberstanden.

Im Seminar werden wir uns mit den Stellungnahmen deutschsprachiger Schriftsteller zum Ersten Weltkrieg in den Jahren 1914-1933 beschäftigen, wobei wir sowohl kulturtheoretische als auch literarisch-fiktionale Texte in den Blick nehmen wollen. Folgende Fragen werden die Untersuchung leiten: Wie wird der Krieg in diesen Texten beurteilt? Stellen sie einen Zusammenhang zwischen Krieg und Kultur her, und wie sieht dieser Zusammenhang aus? Welche Rolle schreiben sie der Kunst in Kriegszeiten zu, und erfüllen sie selbst diese Rolle? Mit welchen literarischen Strategien wird der Herausforderung einer Literarisierung des Krieges begegnet? Inwiefern „wälzt“ die Kriegserfahrung die Literatur nicht nur inhaltlich, sondern auch formal um? Wie verhalten sich die Texte zu der Problematik einer Ästhetisierung des Krieges?

Diesen Fragen werden wir etwa in Texten von Thomas Mann (Betrachtungen eines Unpolitischen, Der Zauberberg), Hermann Hesse (Demian), Ernst Bloch (Geist der Utopie), Stefan George (Der Krieg), Karl Kraus (Die letzten Tage der Menschheit), Ernst Jünger (In Stahlgewittern), Carl Maria Remarque (Im Westen nichts Neues), Edlef Köppen (Heeresbericht) und anderen nachgehen.

Zur Vorbereitung: Es empfiehlt sich, Thomas Manns Der Zauberberg bereits in den Semesterferien zu lesen.


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