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16444 Proseminar
Zur Gattung des Kriminalromans
Der Kriminalroman hat die unterschiedlichsten Bewertungen erfahren. Sie reichen von reaktionär, weil am Ende der Täter immer gefaßt und damit die gesellschaftliche Ordnung wieder hergestellt wird, bis zu rebellisch, wenn in der Figur des einzelgängerischen Detektivs ein Revolutionär erkannt wird. Wir werden uns im Seminar mit diesen unterschiedlichen Bewertungen auseinandersetzen. Dabei werden wir auf die Entstehungsbedingungen sowie die einzelnen Merkmale der Gattung zu sprechen kommen.
Neben den soziologischen und historischen Gesichtspunkten soll uns der Kriminalroman (bzw. die Detektivgeschichte) als eine besondere Form der Narration beschäftigen. Wie ist das Wesen eines Textes zu verstehen, der in einzigartiger Weise auf sein Ende hin ausgerichtet ist? Worin besteht das Vergnügen des Lesers, der sich eine zumeist schematisch konstruierte Geschichte nur leicht variiert (oft ist sogar der Kommissar derselbe) gern wiederholt erzählen läßt? Handelt es sich bei dieser lustvollen Wiederholung (mit Freud gesprochen) um eine verfehlte Bewältigung oder um eine Nähe zum Todestrieb? Welche Rolle spielt der in den meisten Krimis der Handlung vorausgehende Mord?
Wir werden klassische Krimis lesen (Vorschläge aus dem Seminar sind sehr willkommen), Kriminalromane, in denen die Grenzen der Gattung ausgelotet werden (Friedrich Dürrenmatt, Alain Robbe-Grillet) und theoretische Texte von Tzvetan Todorov, Peter Brooks, Sigmund Freud und anderen.
Zur Vorbereitung:
- Krimis jeder Art ...
- Viktor Žmegac (Hrsg.): Der wohltemperierte Mord. Zur Theorie und Geschichte des Detektivromans. Frankfurt am Main 1971.
- Peter Brooks: Reading for the Plot. Design and Intention in Narrative. New York 1984.
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