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16445 Proseminar
Exotik Expedition Exil: Literarische Ausflüge und Ausflüchte der Romantik
Ein romantischer Autor ist ein Autor, der gewohnheitsmäßig auf unbegründeten Reisen unterwegs ist, schreibt Peter Hacks in seiner Polemik Zur Romantik (Hamburg 2001). So fragt das Proseminar nach denjenigen Gewohnheiten und Begründungen des Reisens in der Literatur der Romantik, die den einsamen männlichen Wanderer zumeist in fernen Ländern im Spannungsfeld zwischen orientaler Exotik, entdeckungslustiger Expedition und unfreiwilligem Exil situieren.
Dabei untersucht es sowohl die literarischen Verfahren, mit deren Hilfe diese imaginären Ausflüge in andere Welten konstruiert und authentifiziert werden, als auch die diskursiven Strategien, die diese fiktionalen Ausflüchte aus der eigenen Welt konstituieren und de/legitimieren. Während seit Napoleons Invasion in Ägypten 1798 in der westeuropäischen Literatur vor allem der Orient als koloniale Projektionsfläche diente, waren es im Russischen Reich die von Katharina II. 1783 eroberte tatarische Krim und der militärisch umkämpfte wilde Kaukasus, die die expansiven Fantasien beflügelten.
Am Beispiel ausgewählter Werke der Romantik soll in dem Proseminar solchen diskursiven Unterschieden sowie den Zusammenhängen englischer, polnischer und russischer Konstruktionen des Exotischen nachgegangen werden. Behandelt werden unter anderem George Byrons Childe Harolds Pilgrimage, Percy Shelleys The Revolt of Islam, Adam Mickiewiczs Krim-Sonette, Michail Lermontovs Held unserer Zeit sowie Aleksandr Puškins Kaukasischer Gefangener und Die Reise nach Arzrum (zum Teil in Auszügen).
Zur Einführung:
- Paul M. Austin: The Exotic Prisoner in Russian Romanticism. New York u.a. 1997.
- Tim Fulford und Peter J. Kitson (Hg.): Romanticism and Colonialism. Writing and Empire, 1780-1830. Cambridge 1998.
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